Kultur : Stress Israel

VOLKER STRAEBEL

Martialisch ist eigentlich ein viel zu mildes Adjektiv, um die Musik zu charakterisieren, die zum Abschluß des Israel-Festivals "Oi-Wai-Woi" am Pfingstsonntag im Podewil erklang.Ihr Gegenstand ist die von Bedrohung und Gewalt geprägte Lebenswirklichkeit in dem jungen Staat, die sich um christliche Feste natürlich nicht kümmert.Die Fernsehbilder, zu denen die blutigen Folgen der religiösen und kulturellen Spannungen für die Weltöffentlichkeit gerinnen, projizierte Arik Hayut extrem verlangsamt, Frame für Frame zu seinen allegro-raschen Sampler-Loops.In auch für abgebrühte Rezensentenohren extremer Lautstärke überführte Hayut obertonreiches Rauschen in kreisende, durch Flanger-Effekte räumlich strukturierte Klangflächen, denen Dror Feiler, nun selbst in Donaueschingen goutiertes Enfant terrible der aggressiven Cluster-Kunst, mit verstärkten Saxophonen mehrtönige Halteklänge entgegensetzte.Leider waren in dieser halbstündigen "Stress Ambience II" die Mittel ungleich verteilt, und Feiler konnte die massive Schleifenschichtung nur hin und wieder färben, nicht aber eine eigene Ebene etablieren.

Besser gelang dies in der Coda von "The Wonderful World of Ron and Safy", der ein einstündiges, kaum leiseres Video-Scratching von Ron Kazir und Safi Sniper vorausging.Das auf der vierteiligen Leinwand in flexible Ton- und Bildschleifen montierte Dokumentarmaterial israelischer Geschichte konnte seinen anfänglichen Sog jedoch nicht aufrechterhalten, und besonders die nicht enden wollende Passage von nächtlich flackernden Granatwerfern und durch diese entfachten Bränden ließ bald Ärger aufkommen über die abstrahierende Ästhetisierung der Gewalt.Spielerischer kam da Buky Grinbergs Performance "Revenge! The Time of the Pigs" daher, in der der Künstler aus dem Inneren eines Holzkubus einfache Symbole wie Haus, Flasche, Herz, Penis mit einer akustisch verstärkten Stichsäge herausschnitt und dann wie Paul McCarthy mit Schweinsmaske versehen ins Freie hinausbrach.Auch laut, zweifellos, aber harmlos.Politische Kunst ist doch schwerer, als man gemeinhin glaubt.

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