"Sunshine Cleaning" : Viel Blut klebt an den Wänden

"Sunshine Cleaning" ist keine Fortsetzung von "Little Miss Sunshine", sondern der Nachfolger des Produzententeams um Jeb Brody und Peter Saraf. Das Rezept ist das gleiche - eine amerikanische Loser-Komödie.

André Weikard

Bei den Oscars gibt es eine Kategorie, die mit schöner Regelmäßigkeit dem amerikanischen Independent-Kino vorbehalten ist: das beste Originaldrehbuch. Die Preisträger hießen 2009 „Milk“, 2008 „Juno“ und 2007 „Little Miss Sunshine“. Schreiben die Independents bessere Bücher? Sie beschäftigen sich einfach mit den spannenderen Charakteren. Ein homosexueller Politiker, ein schwangerer Teenager und eine pummelige Neunjährige, die bei einer Miss-Wahl antritt: Das andere Amerika feiert Erfolge.

Ein ganzes Bündel solcher Typen tummelt sich auch in „Sunshine Cleaning“, dem Nachfolger von „Little Miss Sunshine“. Da gibt es Rose, die als Putzfrau arbeitet, bis sie ihre Makler-Fortbildung geschafft hat. Als ihr Sohn Oscar von der Schule fliegt, muss Rose dringend Geld für eine Privatschule zusammen bekommen. Richtig Knete lässt sich aber nur mit richtig schmutziger Arbeit verdienen. Rose und ihre Schwester Norah machen einen Spezial-Reinigungsdienst auf. Wenn sie gerufen werden, geht es meist um Selbstmord oder ein Verbrechen, häufig klebt viel Blut an den Wänden, manchmal liegt ein Finger im Waschbecken.

„Sunshine Cleaning“ ist keine Fortsetzung von „Little Miss Sunshine“, sondern der Nachfolger des Produzententeams um Jeb Brody und Peter Saraf. Das Rezept ist das gleiche. Wieder gibt es einen kleinen Sonnenschein, dem zuliebe die anderen einiges auf sich nehmen. Wieder gibt es ein Geschwisterpaar und einen grantigen Großvater. Wieder geht es um Tod und darum, sich von den eigenen Niederlagen nicht entmutigen zu lassen.

Mit der neuen Drehbuchautorin Megan Holley gerät die Story ernster und düsterer. Irgendwann erzählt Norah, dass auch der frühe Tod ihrer Mutter „so ein Do-it-yourself-Ding“ gewesen ist. Rose bricht über der abendlichen Selbstbestärkung „Ich bin eine Siegerin“ in Tränen aus. Das hätten Szenen aus Paul Thomas Andersons „Magnolia“ oder Todd Solondzs „Happiness“ sein können.

Alle hängen dem American Dream nach. Alle scheitern. Vor den Gewinnern hat man Respekt, für die Verlierer Sympathie. Liebenswert sind die schrulligen Loser aus Albuquerque allemal. Das liegt auch an den Darstellern. Amy Adams und Emily Blunt geben als putzende Schwestern ein unwiderstehliches Leinwandpaar ab, und Jason Spevack verbreitet als putziger Oscar genauso viel gute Laune wie die bebrillte Abigail Breslin in „Little Miss Sunshine“. Eine ausgewogene Mischung aus schwarzem Humor und echter Betroffenheit macht den Nachfolger zu einer stimmigen Komödie. Dem Film für Verlierer ist jeder Erfolg zu wünschen.

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