Kultur : Supertoll

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Kai Müller lauscht

einer Retortenband der Verkehrstechnik

Jetzt fragen sich alle: Woran hat’s gelegen? Warum ist das mit der LKW-Maut nur so schrecklich schief gegangen? Es war doch von allem das Beste da. Weltberühmte deutsche Firmen erfanden ein Betriebssystem, für das höchste Qualitätsstandards gerade gut genug waren. „High End“ nennt sich das in der Fachsprache. Die Idee: Wir verwenden von allem nur das Beste, dann kommt am Ende auch das Beste raus.

Theoretisch stimmt das. Praktisch trauert man um die verlorenen Milliarden. Noch trauriger macht einen, dass etwas, das im Prinzip richtig ist, nicht funktioniert. Toll Collect sollte eine Supergroup der Verkehrstechnik sein, ein aus bewährten Komponenten zusammengecastetes Star-Vehikel, das neue Maßstäbe gesetzt hätte. So wie Cream oder Blind Faith oder Crosby, Stills, Nash & Young. Ein Blick in die Popgeschichte hätte uns darauf vorbereitet, dass von solchen Retortenbands, in denen die Besten der Besten sich zusammentun, nicht viel zu erwarten ist. Sie fangen viel versprechend an. Aber wenn es ernst wird, zeigt sich, wie wenig die Einzelgänger zueinander passen.

Und ist es nicht tragisch? Auch Eric Clapton, Jack Bruce und Ginger Baker, das Trio-Infernale von Cream, ging auf der Straße in die Brüche. Auf einer der längsten US-Tourneen, die eine ausländische Band je gespielt hat. Es wurde zu anstrengend, sich jeden Tag von neuem beweisen zu müssen, dass sie die größten lebenden Rockstars waren, erzählt Clapton. Ein Trost: Supergroups finden immer wieder zusammen. Man nennt es Reunion.

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