Surrealistische Kunst : Pietzsch droht mit Rückzug der Sammlung

Das Sammlerpaar Heiner und Ulla Pietzsch will seine hochkarätige Sammlung surrealistischer Kunst der Berliner Nationalgalerie schenken. Dann begann der heftige Streit um einen möglichen Umzug der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel. Nun stellen die Sammler der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein Ultimatum bis zum Frühjahr 2013.

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Der Sammler Heiner Pietzsch reagiert zunehmend ungehalten auf den mittlerweile zehn Wochen andauernden Konflikt um seine Schenkung surrealistischer Kunst. Die vom Bund zugesagten zehn Millionen Euro für die Umrüstung der Gemäldegalerie zur Galerie des 20. Jahrhunderts einschließlich von Teilen der Sammlung Pietzsch hatten Anfang Juni einen leidenschaftlichen Disput um die Neuordnung der Berliner Museumslandschaft ausgelöst. Nachdem vorerst unklar bleibt, wann welche Bilder wohin ziehen und wie es vor allem um die Zukunft der Alten Meister bestellt ist, hat der 82-Jährige nun an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz appelliert, zügig Entscheidungen zu treffen. Bis Frühjahr 2013 verlangt er eine verbindliche Auskunft darüber, ob es für Max Ernst, Magritte, Picasso, Dalí eine Möglichkeit der Präsentation gibt. Ansonsten will er die 120, vor zwei Jahren dem Land Berlin als Schenkung vermachten Bilder behalten. Der Vertrag sieht vor, dass die Stadt die Werke der Neuen Nationalgalerie zur Verfügung stellt, sobald es dort Platz gibt. Pietzsch erklärte nun gegenüber dem Tagesspiegel, dass er und seine 78-jährige Frau Ulla in ihrem fortgeschrittenen Alter Gewissheit brauchten, andernfalls ziehe er die Sammlung zurück: „Wir müssen unser Haus bestellen.“

Bislang hatte der Sammler seine Schenkung auch als kämpferisches Engagement für ein Museum der Moderne gesehen. Ein nun von Museums-Generaldirektor Michael Eissenhauer verfasster Brief an den vehement gegen die Umzugspläne eingetretenen Verband deutscher Kunsthistoriker brachte den Mitbegründer des Vereins der Freunde der Nationalgalerie endgültig auf. In dem Schreiben stellt das Museumsoberhaupt in Aussicht, dass „alles beim Alten“ bleibe, wenn die Mittel für einen Neubau für die Alten Meister am Rande der Museumsinsel vom Bund nicht zur Verfügung gestellt würden. Für die Gegner der Rochade stellt eben diese Aussicht die größte Hoffnung dar. Dass das Ehepaar Pietzsch, wie der Harvarder Kunsthistoriker und Initiator einer Gemäldegalerie-Petition mit 13 000 Unterschriften, Jeffrey Hamburger, gerade erneut in der „Süddeutschen Zeitung“ behauptet hat, seine Sammlung jedoch nur vollständig präsentiert sehen will, ist schlicht falsch. Eine Auswahl („3 bis 5 Prozent“) würde ihnen genügen.

Möglicherweise kann sich dann Dresden wieder Hoffnung auf die exquisite Surrealistenkollektion des Ehepaars Pietzsch mit einem kostbaren Konvolut von Zeichnungen der Abstrakten Expressionisten machen. Dort waren sie zum ersten Mal vor zehn Jahren im Albertinum zu sehen. Seitdem hat der Sammler seiner Heimatstadt Dresden aus Verbundenheit immer wieder Schenkungen gemacht. Pietzsch erklärte bislang jedoch nur, mit Ablauf des Ultimatums beginne „ein neues Denken“. So viel sei klar, die Sammlung sei zu schade für das Depot, auch wenn sie sich in Berlin in bester Gesellschaft befinden würde – mit Barnett Newmans „Wer hat Angst vor Rot, Gelb und Blau?“ zum Beispiel. Recht hat er, denn im Dunkeln sind alle Farben grau. Nicola Kuhn

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