SXSW-Festival : Dabeisein ist alles

Das Festival South by Southwest im texanischen Austin ist das ultimative Großereignis einer globalisierten Popmusik. Wer hier mitspielen darf, hat damit schon eine Art Ritterschlag erhalten. Doch bei über 2000 Acts ganz groß rauszukommen, ist wiederum schwer. Auf Tour mit einer griechischen Folklore-Hip-Hop-Salsa-Balkan-Band.

Thomas Winkler
London? Austin, Texas! Die Stadt in Texas wird jedes Jahr für fünf Tage zur Hauptstadt des Pop. Für Bands aus der ganzen Welt ist es ein Gütesiegel, hier spielen zu dürfen.
London? Austin, Texas! Die Stadt in Texas wird jedes Jahr für fünf Tage zur Hauptstadt des Pop. Für Bands aus der ganzen Welt ist...Foto: REUTERS

Das Geschäft mit der Popmusik ist globalisiert. Das merkt man ganz besonders im März, wenn sich im Süden von Texas die ganze Welt trifft, um herauszufinden, wie das Geschäft läuft und vor allem, wohin es künftig laufen könnte. Manchmal aber merkt man sogar schon auf dem Weg nach Austin zur South By Southwest (SXSW), der mittlerweile größten Leistungsschau der Branche, wie globalisiert das Geschäft mit der Popmusik geworden ist. So globalisiert nämlich, dass Schneefall in Frankfurt am Main dafür verantwortlich sein kann, dass eine griechische Band, die die Folklore ihrer Heimat mit nordamerikanischem Hip-Hop, südamerikanischer Salsa und osteuropäischen Balkan Beats kurzschließt, ihren weltweiten Durchbruch nur mit erheblicher Verzögerung einleiten kann.

Die Band heißt Imam Baildi und ihre Odyssee hatte nach einer durchgemachten Nacht auf dem Flughafen Athen begonnen. Sie endete erst am Nachmittag des folgenden Tages nach einer glücklichen Flucht aus einem verschneiten Frankfurt, mehrfach umgebuchten Flügen, einer nächtlichen Taxifahrt durch New York, einer unerwarteten Zwischenlandung in Chicago und einer Mietwagenfahrt von Houston nach Austin. Der Großteil des Gepäcks: verschwunden, darunter einige Instrumente. „Die Anreise war ein Desaster und es ist schön, dass wir endlich angekommen sind“, sagt Schlagzeuger und Manager Lysandros Falireas, aber wäre die ganze Unternehmung gescheitert, wäre das gar nicht so schlimm gewesen: „Schon bevor wir überhaupt in Austin aufgetreten sind, profitieren wir davon, hier eingeladen zu sein.“

Wie das? 12 Tage dauert die SXSW, am Sonntag ist sie zu Ende gegangen. Sie besteht aus dem Film-Festival „Interactive“, das immer mehr an Bedeutung gewinnt, sowie aus einem renommierten Kongress für Neue Medien und dem traditionellen Herzstück zum Abschluss, einem fünftägigen Musik-Festival mit Konzerten, Panels, Messe und Workshops. Offiziell treten über 2000 Acts in Austin auf – neben ungezählten weiteren, die auf eigene Faust kommen und selbst organisierte Shows spielen. Wie groß ist da die Chance, entdeckt zu werden? „Wir erwarten ja nicht, dass uns zufällig ein Plattenfirmenboss sieht und so toll findet, dass er uns vom Fleck weg engagiert“, sagt Falireas und lächelt: „Aber vielleicht passiert das ja doch.“

SXSW, das 1987 zum ersten Mal mit 700 Teilnehmern stattfand, ist mit über 12 000 offiziell Registrierten selbst zur Marke geworden. Bei den Tausenden von Konzerten reicht das Spektrum vom Depeche-Mode-Auftritt, für den die Eintrittskarten ausgelost werden, bis zu Gigs in Kneipen, Hotelbars, Imbissen oder auf Parkplätzen. Manches ist so geheim, dass alle davon reden, aber niemand weiß, wo denn nun heute Abend Iggy & The Stooges auf die Bühne steigen. Von anderen kann zwar jeder wissen, aber die „Beijing Underground“-Nacht scheint nicht einmal die 20 Anwesenden wirklich zu interssieren. Manchmal gibt es auch gar keine Bühne, dann baut eine Band ihre Anlage einfach auf der Straße auf, mitten in den feierwütigen Springbreaker-Massen, die sich durch die Straßen wälzen.

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