Kultur : Tanz dich frei!

„Gambling, Gods & LSD“: auf der Suche nach dem Lebensglück

Silvia Hallensleben

Glückspiel, Religion und Drogenrausch treffen sich in der gemeinsamen Lust an der Entgrenzung des Wirklichkeitsraumes. Auch wenn dem Sektenbeauftragten die Nennung des Religiösen in dieser schlechten Gesellschaft vermutlich nicht gefiele: Die Kongregation, der wir gleich zu Beginn von Peter Mettlers‘ dreistündigem dokumentarischen Monumentalfilm in einer riesigen Mehrzweckhalle begegnen, fiele wohl in seine Zuständigkeit. Und der Papst hat das Tanzen beim Gottesdienst ja ohnehin gerade verboten. Bei den kanadischen Jesus-Gläubigen der Toronto Airport Christian Fellowship Church, die sich zum Donner der Rockmusik die Seele aus dem Leib powern, bildet die Tanz-Ekstase die Grundlage für die Trance, die die Gläubigen nach und nach befällt und zu Boden wirft.. Die Kamera taumelt mit.

Der schweizerisch-kanadische Bild- und Tonkünstler Peter Mettler dürfte vielen seit seinem Dokumentarfilm „Pictures of Light“ vertraut sein, wo er flackernde Nordlichter auf Zelluloid verewigte. Jetzt macht Mettler eine Weltreise: Von Toronto über den Wüstenwesten der USA erst in eine Schweiz, die als verwunschenes Archipel aus dichten Wolkenbänken auftaucht, dann weiter nach Indien. Es ist eine transzendentale Reise. Und sein Stoff scheint nicht weniger flüchtig als damals, ist aber allgegenwärtig: Die Suche nach der Suche nach Lebenssinn und Glück. Delirierende Christen und philosophierende Fixer, Naturschönheit und einstürzende Hotelbauten, Las Vegas und Albert Hofmann, indische Pilger und der Laughing Club von Bombay.

Recherche und Intuition nennt Peter Mettler als Quellen seiner Arbeit: Das betrifft den Reisedreh ebenso wie die Postproduktion, in der Regisseur und Mitarbeiter drei Jahre lang an Schnittfolgen und Soundstruktur tüftelten. Dabei wurden Ton und Bild immer wieder in neuen assoziativen Reibungen miteinander verknüpft, O-Töne überlagern sich mit unterschiedlichen Original-Kompositionen von Fred Frith und Dimitri de Perrot. Dabei sieht es manchmal doch so aus, als könnte „Gambling, Gods & LSD“ in seinen synästhetischen Delirien der Versuchung nicht widerstehen, sich à la „Koyaanisqatsi“ auch selbst zur Weihestunde zu erheben. Dass er dennoch nie die Bodenhaftung verliert, haben wir vermutlich den korrigierenden Eingriffen des Regisseurs zu verdanken. Mit immer größerer Nachdrücklichkeit werden immer bescheidenere Fragen gestellt. Worum es geht? So vermessen, darauf weniger als eine Million Antworten zu geben, wäre Peter Mettler nie.

Hackesche Höfe

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