Kultur : Tarzan ruft Jane

Peter Herbstreuth

entdeckt in Berliner Galerien neue Wandkleider Einrichtungshäuser bieten eine Vielzahl von Tapeten-Environments: Strand mit Palmen, Dschungel bis zu Bauhaus-Entwürfen – alles da. Als Andy Warhol in seiner ersten Ausstellung bei Castelli in New York die Wände mit Blumen-Bildern zum Schachbrettmuster vom Boden bis zur Decke anordnet, wurde noch alles einzeln verkauft. Die Pseudo-Tapete zerstreute sich. 1966 installierte er dann eine Tapete mit Kuhaufdrucken. Seither haben Künstlerntapeten oft für völlig unerwartete Ergebnisse gesorgt. Doch Werke altern schnell. Peter Kogler zeigt jetzt in der Galerie Ascan Crone (Kochstraße 60) eine Schau mit Werkstücken (9000 bis 80000 Euro). Keine Ausstellung im hohen Sinn, eher ein gut inszeniertes Warenangebot, das die ästhetischen Schocks einer totalen Installation nicht erzeugen kann, worin ja der Reiz der Tapete liegt. Das funktionierte noch 1992, als der 33-jährige Kogler zur Documenta im Fridericianum eine Tapete mit Ameisen zeigte. Schon fünf Jahre später erschien seine labyrinthische Röhrentapete bereits wie ein Ruhekissen in Catherine Davids videoesker Dokumenta. Die Ameise ist bei Crone wieder da und eine große Wandarbeit, die Prototypen mit möglichen Tapetenmustern auffächert: Pillen, Schlingen, Zellen, Röhren, Knoten. Aus der Kunst wird Gewerbe. Aber als eine solche Setzung ist es dann doch wieder exemplarisch und insofern durchaus die Reflexion der eigenen Präsentation (bis 6. Juni).

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In der Galerie Marcus Deschler (Auguststraße 61) eröffnete gestern Wolfram Odin eine Installation mit Tapeten am laufenden Meter. Man sieht ein Wechselspiel zwischen figurativen und abstrakten Mustern im Kontrast zu Texten aus Kontaktanzeigen. Daher der Titel „Heldin. Tarzan ruft Jane“, eine Parodie frühlingshafter Gefühle. Wie aber berechnet eine Galerie Tapeten, die direkt an die Wand aufgebracht werden und schwer wieder abzulösen sind? „Den laufenden Meter für 250 Euro“, sagt der Galerist. Die Wand in der Galerie ist über sieben Meter lang und fast drei Meter hoch. Diese fröhliche Tapete wird in einer Auflage von drei weitergegeben. Und der Künstler gibt sich zudem gesprächsbereit. Er entwirft bei Bedarf ein spezielles Design als Maßanfertigung. Die Spirale dreht sich in einer neuen Windung zum Einrichtungshaus hin. Kunst als Service, wie man es sich vor zehn Jahren, als Dienstleistungskünstler als kritisch galten, kaum ausmalen konnte (bis 31. Juli).

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