Teenager-Film „Wenn du stirbst“ : Der Tod ist Mädchensache

Mystery: In Ry Russo-Youngs „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ erlebt ein Teenager den letzten Tag ihres Lebens immer wieder.

Katrin Doerksen
Täglich grüßt das Murmeltier: Samantha (Zoey Deutch) kommt in „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ nicht zur Ruhe.
Täglich grüßt das Murmeltier: Samantha (Zoey Deutch) kommt in „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“...Foto: Capelight Pictures

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, heißt es. Bei Samantha (Zoey Deutch) tritt der Sonderfall ein. Sie durchlebt nach einem Autounfall den letzten Tag ihres Lebens wieder und wieder. Der Vergleich mit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ drängt sich sofort auf. Ry Russo-Youngs „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ zeigt ein Idyll im pazifischen Nordwesten: Die Kleinstadt ist ins bläuliche Zwielicht der Morgendämmerung getaucht, Einfamilienhäuser am Waldrand, die Kids fahren in Jeeps zur Highschool.

Sam ist ein Mädchen ohne Zukunftspläne oder Interessen, ein durchschnittlicher Teenager eben. In ihrer Clique selbsternannter Bitches füllt sie die Rolle der Mitläuferin aus. „Du bist einfach erbärmlich“, schleudert ihr die Außenseiterin der Klasse (Elena Kampouris) entgegen, als das Mobbing der Mädchen sich zum Handgemenge auswächst.

Das Ende ist weniger interessant, als der Weg dahin

Russo-Youngs Film erklärt nicht den Mechanismus, der Sam in die Endlosschleife versetzt. Aber zum Spekulieren laden die durchaus einfachen Botschaften auch nicht ein: Wertschätze deine Liebsten, sei ein guter Mensch. Sam und ihre Freundinnen leiden an den Folgen falscher Entscheidungen, sie versuchen mehr schlecht als recht, traumatische Erlebnisse zu verdrängen. Doch das versöhnliche Ende des Films ist ohnehin weniger interessant als der Weg dahin. „Wenn du stirbst“ gesellt sich zu einer Handvoll populärer Filme der letzten Zeit über die Themen Jugend und Tod. Nur liegt hier zur Abwechslung die Erlösung nicht in der Teenagerliebe. Diesmal ist der Tod ganz und gar Mädchensache, wird von ihnen herbeigeführt, verarbeitet und schließlich in schwesterlicher Solidarität überwunden.

Man kann dem Film seine Stereotypen und Standardsituationen aus dem Repertoire des Teenagermelodrams als Mangel an Originalität auslegen: Aushandeln des sozialen Gleichgewichts auf dem Schulflur, die Literaturstunde zum Thema Sisyphos, das Zerwürfnis mit den Freundinnen, die Party im elternfreien Haus. Im Grunde liefert Ry Russo-Young eine gleichnishafte Erzählung der Pubertät: Unbewusst hineingerutscht, tun sich faszinierende neue Welten auf. Es folgt eine Phase des Rebellierens. Ein Spaß ist das nicht immer. Und irgendwann macht es Klick. Die in der Mädchenclique nicht akzeptierte Anna (Liv Hewson) entpuppt sich hier als wissende Kommentatorin. Sam ist bereits in ihrer aufständischen Phase angekommen, als sie Anna fragt, ob sie das belastende Gefühl kenne, den gleichen Tag immer wieder erleben zu müssen. „Du hast gerade mein ganzes Leben beschrieben“, stöhnt sie auf. Das Leben eines Teenagers.

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