Kultur : Terrorverdächtig

Bollywood, politisch: „Rang De Basanti“ im Kino

Sebastian Handke

Jugend, Patriotismus, Rebellentum – eine Mischung, die seit den siebziger Jahren zu den prägenden Motiven des indischen Kinos gehört. Ihr Kraftzentrum ist die Figur des „angry young man“, ein Rollenklischee, das rasch zum Vorwand erstarrte für schnell und billig produzierte Rachestücke. Der ehemalige Videoclip- Regisseur Rakesh Omprakash Mehra und der indische Stardarsteller Aamir Khan („Lagaan“) haben dem Genre nun eine neue Richtung gegeben und einen der ungewöhnlichsten indischen Mainstreamfilme der letzten Zeit produziert.

„Rang De Basanti“ ist neben „Dil Se“, der hier zu Lande bereits im Fernsehen zu sehen war, sicher einer der sehenswertesten jungen indischen Filme. Es wird gesungen, getanzt und geliebt. Dann aber ballt dieser Film die Faust – und stürzt jäh in ein aufreibendes Rebellen- und Rachedrama. Die junge Londoner Journalistin Sue (Alice Patten) will in Delhi einen Film über die frühe Unabhängigkeitsbewegung drehen. Aus Geldnot ist sie auf Laiendarsteller angewiesen: Der charismatische DJ (Aamir Khan) und seine Clique springen zunächst nur widerwillig ein. Sie gehören zur jungen Generation apolitischer Studenten und nehmen die Korruption im Land hin wie ihre Vorfahren einst die britische Herrschaft oder das Kastenwesen. Das Filmprojekt aber politisiert die jungen Männer. In den Rollen der Frührevolutionäre erkennen sie ihre eigene Situation wieder. Doch erst zwei tödliche Zwischenfälle stacheln sie auf zur Tat – und verwandeln die Mutlosen in wütende Terroristen.

„Rang De Basanti“ sorgte in Indien für Aufsehen, weil er die Frage, ob Gewalt ein Mittel innenpolitischer Auseinandersetzung sein kann, zumindest offen lässt. Wie viele politische Filme aus Indien ist er hoffnungslos didaktisch. Für Zuschauer, die an den psychologischen Realismus des US-amerikanischen Kinos gewöhnt sind, ist die Verwandlung der Jugend schwer nachzuvollziehen. Davon abgesehen ist „Rang De Basanti“ ein höchst unterhaltsamer Film, der zumindest eines nicht zulässt: Dass man das Kino mit einem gleichgültigen Schulterzucken verlässt.

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