Kultur : The Donnas: Ich will nicht mehr zur Schule gehen

Nadine Lange

Jenna Bush ist 19 und ein bisschen ungeschickt: Sie hat sich in einer Bar beim Alkoholtrinken erwischen lassen, obwohl das in Texas erst ab 21 Jahren erlaubt ist. Da hilft es auch nicht, dass ihr Vater Präsident der USA ist. Jenna muss eine Geldstrafe zahlen oder gemeinnützige Arbeit leisten. Sie hätte besser zwei Jahre warten sollen.

"Turn 21" nannten The Donnas ihr neues Album und zeigten sich auf dessen Cover mit einer Menge leerer Gläser- schließlich sind die vier Frauen eine Rockband, auch wenn sie das erst jetzt, mit ihrem vierten Album, vollständig unter Beweis stellen können. Und gute Noten in Sachen Style sind dem Quartett aus Palo Alto, Kalifornien, sehr wichtig. Das fängt bei ihren Namen an: Sängerin Brett Anderson nennt sich Donna A., Gitarristin Allison Robertson heißt Donna R., Bassistin Maya Ford ist Donna F. und Drummerin Torry Castellano Donna C. - eine Verbeugung vor den Ramones. Gemein ist ihnen darüberhinaus eine Vorliebe für relativ kurze Stücke, simple Songstrukturen und das Wort "wanna".

Eine entfernt an Punk erinnernde Lebenseinstellung spielte auch bei der Gründung der Band eine entscheidende Rolle: Allison Robertson und Maya Ford waren Schulfreundinnen, die gemeinsam viel Musik hörten. Als sie in der achten Klasse waren, fand an ihrer Schule ein Bandwettbewerb statt. Es meldeten sich nur Jungsgruppen. "Das können wir auch", dachten die beiden, suchten sich zwei Mitstreiterinnen, probten drei Wochen und spielten Coverversionen von Shonen Knife, The Muff und L 7. Ihre Band hieß Ragedy Ann, später The Electrocutes, und war in der Schule sehr unbeliebt. Manche Jungs kamen sogar nachmittags zu der Garage, in der sie probten, um sie zu beschimpfen. Schließlich fielen sie dem Produzent Darrin Raffelli auf, mit dem sie als The Donnas 1997 ihr Debütalbum aufnahmen - keine Musikerin war älter als 17 Jahre.

"Turn 21" zeigt deutlich, dass die Band inzwischen weniger mit Punk als mit solidem Hardrock zu tun hat. Das Quartett spielt diese immer noch selten von Frauen gemachte Musik mit großem Ernst, Ehrgeiz und einer wunderbaren Selbstverständlichkeit. Es ist eben einfach die Musik, die sie selber seit ihrer Kindheit mochten. So liebt Sängerin Donna A. schon lange Motorhead und Kiss, Gitarristin Donna R. steht zudem auf Britpop und die Pixies.

Frauenbands finden sich allerdings kaum im Referenzuniversum der Donnas. Und dennoch wäre die Band nicht ohne die Aneignung und Umdeutung harter Gitarrenmusik durch Gruppen wie Sleater Kinney oder Bikini Kill in den 90er Jahren denkbar: Diese Bands haben die Musik endgültig aus den Händen der Männer losgerissen und erlauben den Donnas, Politik und Geschlechterfragen völlig auszuklammern. So geht es in den Texten auch ganz schlicht ums Spaßhaben, was in erster Linie auf schnellen Sex hinausläuft. "40 Boys in 40 Nights" heißt die erste Single des aktuellen Albums. Männer sind bei den Donnas genauso selbstverständlich Lustobjekte wie es in traditionellen Rocktexten sonst die Frauen waren. Nur eines irritiert: Die Donnas sehen mit ihren braven Frisuren und den schlichten Trägerhemdchen eigentlich ein bisschen zu lieb für sowas aus. Genau dieses Spannungsverhältnis macht die Band vor allem für männliche Fans so attraktiv: Die vier sind sexy, dabei aber nicht so furchteinflößend wie etwa die frühe Courtney Love. Dass die jungen Frauen in Wirklichkeit nicht mal halb so wild leben, wie sie singen, macht aber überhaupt nichts. Zusammengecastete Girlie-Gruppen machen auch nichts anderes. Da sind die Donnas eine erholsame Abwechslung. Sie zählen bis vier und hauen rein.

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