"The Fall" im SO 36 : Pöbel, gröl, blok

Desaströs: Selbst die disziplinierte Band kann den peinlichen Gröl-Auftritt von Mark E. Smith beim Konzert von "The Fall" im Berliner SO 36 nicht mehr retten.

von
Kreuzberger Club " SO36 "
Dann lieber Kelly Family. Im Kreuzberger Club " SO36 " fand das Chaos-Konzert von "The Fall" statt.Foto: doris spiekermann-klaas

Mark E. Smith ist berüchtigt als Meister der Verweigerung, der Auftritte im angerauschten Zustand lässiger Übellaunigkeit absolviert. Der knurrige Spargeltarzan aus Manchester hat in 40 Karrierejahren keinerlei Zugeständnisse an den Massengeschmack gemacht und mit seiner Band The Fall Generationen von Indierockern beeinflusst. Dementsprechend ist der Teppich ausgerollt im brechend vollen SO36, wo die ergebene Fangemeinde kurz vor Konzertbeginn noch mit einer zehnminütigen Computer-Klangschleife gequält wird. Dafür geht es gleich los mit energetischem, schnörkellosem, soundtechnisch astreinem Postpunk, der in variierenden Härtegraden und Tempi die instrumentale Essenz von The Fall ist.

Über 60 Bandmitglieder hat Mark E. Smith verschlissen. Umso erstaunlicher, dass Pete Greenway, Dave Spurr und Keiron Melling an Gitarre, Bass und Schlagzeug seit 2006 treue Begleiter ihres Chefs sind. Die drei müssen die Gemütsruhe von Heiligen haben, denn in welcher Form sich der wankelmütige Herr Smith in das Bühnengeschehen einschaltet, ist eine offene Versuchsanordnung.

Publikum mit Nehmerqualitäten

Mit Augenlidern, an denen Bleigewichte zu hängen scheinen, Tränensäcken, auf die Derrick neidisch wäre, und schütterer Seitenscheitel-Frisur taumelt er ans Mikro und verfällt in eine Art von lallendem Grölen. Das erinnert an einen Fußgängerzonen-Pöbler, dem im Suff nicht mal mehr originelle Beschimpfungen einfallen. Natürlich wäre es Unsinn, ausgerechnet hier herkömmliche Maßstäbe an eine Sängerperformance anzulegen. Doch Smiths Verpeiltheit ist jenseits von „Punk“, wirkt mitleiderregend und macht einen zum unfreiwilligen Voyeur einer Freakshow.

Dass das Ganze als Konzert halbwegs funktioniert, liegt an der disziplinierten Band, die sich auch von Smiths Einfinger-Synthiesoli und seinem Herumgefummel an Gitarren- und Bassverstärker nicht aus dem Konzept bringen lässt. Und einem Publikum mit Nehmerqualitäten: Selbstverständlich wird zu dieser Musik auch ohne konstruktiven Gesangsbeitrag Pogo getanzt. Vermutlich das Beste, was man an diesem desaströsen Abend tun kann.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben