Theater : Der Zampano

Der Regisseur Jérôme Savary brachte in den siebziger Jahren die Leichtigkeit ins Theater. Am Berliner Schiller-Theater machte er mit der Fallada-Revue "Jeder stirbt für sich allein" Skandal. Sein "Blauer Engel" am Theater des Westens wurde ein krachender Flop. Savary starb am Montagabend mit 70 Jahren.

Rüdiger Schaper
Foto: Albert Olive, dpa
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In den siebziger und achtziger Jahren erlebte das deutsche Theater eine großartige Zeit. Nur komisch war es nicht, vieles war recht schwer beladen, aus heutiger Sicht. Für das angeblich Leichte wurde damals der in Buenos Aires geborene Theaterzampano Jérôme Savary aus Paris geholt. Der Chef des Grand Magic Circus inszenierte am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg „Weihnachten an der Front“. In Berlin besorgte er 1981 für Peter Zadeks „Jeder stirbt für sich allein“ nach Hans Fallada die Revueszenen – Skandal im Schiller-Theater! Savary hatte halb nackte Tänzerinnen in Nazi-Klamotten auf die Bühne gestellt. Und was einmal als Provokation gemeint war, wurde schnell Mode, zumal auf Opernbühnen. Savary war ein Mann der Revue, der großen Theatermaschinerie, des Entertainment. Ivan Nagel sagte: „Das Schöne ist, dass Savary aus den ewigen Quellen des Schmierentheaters schöpft.“ Man hat ihn als einen Jules Verne der Bühne erlebt, einen Abenteurer und Träumer, aber in den neunziger Jahren schon setzte die Kritik ein; zu oberflächlich, zu wenig ernst. Als legendär gilt seine Bregenzer „Zauberflöte“ von 1985. Ziemlich klamottig – mit Kamelen auf der Bühne! – geriet 1992 die „Italienerin in Algier“ in der Deutschen Oper Berlin, wenig himmlisch war im selben Jahr „Der blaue Engel“ am Theater des Westens. In Paris leitete Savary das Théâtre National de Chaillot, später die Opéra Comique. Am Montagabend ist er an einer Krebserkrankung gestorben. Er wurde 70 Jahre alt. R. S.

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