Kultur : Tiefe Wasser

Aufgetaucht: Kevin Costner in „Jede Sekunde zählt“

Martin Schwickert

Im Heldenregal des amerikanischen Kinos breitet sich Leere aus. Das Berufsbild des Geheimagenten hat sich seit dem Versagen des CIA am 11. September nicht von seinem Imageverlust erholt. Zum Militär mag nach Abu-Ghraib auch niemand mehr aufsehen. Und die Polizei ist in Korruptionsaffären verwickelt. Als selbstlose Helden bleiben nur noch zwei Berufsgruppen übrig: die Feuerwehrmänner, denen Oliver Stone gerade mit „World Trade Center“ ein Denkmal gesetzt hat, und die US-Coast-Guards, deren lebensrettende Taten nun Andrew Davis in „Jede Sekunde zählt – The Guardian“ feiert.

Glaubt man Spike Lees Dokumentation „When the Levees Broke“, so waren es nach dem Versagen von Präsident, Lokalpolitikern und Armee allein die Küstenwächter, die schnell halfen, nachdem Hurricane „Katrina“ über New Orleans hinweggefegt war. Kevin Costner, der vor elf Jahren mit „Waterworld“ gründlich baden ging, verkörpert einen in die Jahre kommenden Rettungsschwimmer. Als er bei einem nächtlichen Rettungsmanöver seinen langjährigen Partner verliert und beinahe selbst ums Leben kommt, wird er aus dem aktiven Dienst beurlaubt und zur Nachwuchsausbildung nach Louisiana beordert, wo es knallhart militärisch zugeht. Dem Strammstehen versucht Ben (Costner) unkonventionelle Lehrmethoden entgegenzusetzen. Der aufmüpfige Jake Fischer (Ashton Kutcher) avanciert nach anfänglichen Subordinationskonflikten zum Lieblingsschüler des Meisters und darf später dessen Rettungsrevier in Alaska übernehmen.

Davis malt ein Heldengemälde, das die Professionalität und die Selbstaufgabe der Rettungsschwimmer preist und ins Mystische überhöht. Der Mittelteil des Films, in dem die Ausbildung der Coast Guards beschrieben wird, zieht sich ächzend in die Länge, doch die Action-Szenen auf hoher See sehen tatsächlich spektakulär aus. Dass die US-Coast-Guards auch weniger ruhmreiche Aufgaben übernehmen, etwa das Aufstöbern von Flüchtlingsbooten in der Karibik, verschweigt „Jede Sekunde zählt“ geflissentlich.

In 18 Berliner Kino-Centern, OV im Cinestar Sonycenter

0 Kommentare

Neuester Kommentar