Tim Renner will Berlins Bühnen digitalisieren : Höllischer Aufwand

Kultur ins Netz: Der Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner spielt öffentlich mit dem Gedanken, Theater und Oper aus der Hauptstadt zu streamen.

Tilman Strasser
Tim Renner, 49, bei seiner Vorstellung als neuer Berliner Kulturstaatssekretär.
Tim Renner, 49, bei seiner Vorstellung als neuer Berliner Kulturstaatssekretär.Foto: dpa

„Wir diskutieren, alle Premieren im Internet zu übertragen“ – mit diesem Vorstoß meldete sich Tim Renner am Sonntag in der „FAS“ zu Wort. Der Berliner Kulturstaatssekretär will die Digitalisierung der Hauptstadtbühnen vorantreiben. Renner sieht darin nicht zuletzt eine zusätzliche Einnahmequelle: „Mach deine Inhalte auf eine Art und Weise zugänglich, die einen Mehrwert darstellt. Lass die Leute für Bequemlichkeit zahlen.“

Leichter gesagt als getan: Die Übertragung kultureller Events ins Netz „ist ein kompliziertes Thema und bedeutet einen höllischen Aufwand“, sagte Tobias Möller dem Tagesspiegel. Er ist Sprecher der Berlin Phil Media GmbH, die seit 2009 Konzerte der Berliner Philharmoniker online zugänglich macht. Um dem Gebotenen gerecht zu werden, seien allein sieben HD-Kameras installiert worden. Neben den technischen lauern aber vor allem rechtliche Hürden. Schließlich verleihen die Verlage ihr Notenmaterial normalerweise nur pro Konzert. Die Weiterverwertung müsse detailliert aufgeschlüsselt werden, Vergütung erfolge danach, wie viele Nutzer wann auf das Angebot zugegriffen hätten: „Es ist deutlich leichter, eine CD zu verkaufen“, sagt Möller. Diese Herausforderung stellte sich auch im Fall von Dramentexten oder Opernlibretti. Das Einverständnis des Hausensembles vorausgesetzt, fallen zudem noch Sondervereinbarungen mit Gastkünstlern an. Das Modell der Philharmoniker jedenfalls „passt in dieser Form nur zu unseren Rahmenbedingungen“, erklärt Möller. Entsprechend gibt es weltweit nur wenig vergleichbare Angebote.

Tim Renners Prognose hingegen, dass Online- und Vor-Ort-Genuss einander nicht hemmen würden, lässt sich aus Möllers Erfahrung bestätigen. Die Auslastung der Philharmonie bleibt exzellent, während die Nutzungsrate der Digital Concert Hall zugleich jährlich um rund 30 Prozent wächst. „Das Digitale pusht das Live-Erleben“, nennt das Renner. Bleibt die Frage, ob ein Spielort sich diesen Push leisten kann.

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