Toni Mahoni : Der Tom Waits von Köpenick

Bekannt geworden ist Toni Mahoni als Blogger und Bühnenaktivist. Jetzt hat er sein erstes Buch geschrieben. Der rote Faden: Tiere.

Anselm Neft

Toni Mahoni heißt nicht Toni Mahoni. Seinen Künstlernachnamen bekam er mit 19. „Sugus der Syrer brockte mir zum Toni das Mahoni ein“, erzählt der Mann, der seinen wahren Namen nicht preisgeben will. „Der hatte wohl gerade ,Police Academy‘ gesehen. Na, besser als das ständige Toni Makkaroni fand ich’s allemal.“ Mit dem Pseudonym war ein wichtiger Schritt zur Kunstfigur gemacht. Nach kleinen Intermezzi als Señora Schweinefett tritt Toni heute nur noch als Toni Mahoni auf: mit Strohhut, berlinernder Tom-Waits-Stimme und Selbstgedrehter in der Hand.

Das Rauchen schätzt Toni auch abseits der Bühne. Während des Dreiviertelstunden-Interviews schafft er sieben Selbstgedrehte. Seine Stimme klingt aber plötzlich gar nicht mehr tief und kratzig und der Berliner Dialekt lässt nach. „Ich mag auch Hochdeutsch“, sagt der 33-Jährige und lächelt etwas schüchtern. Schlägt das Grummeln der Bühnenstimme nicht auf die Stimmbänder? „Nee gar nicht, musste mal probieren. Macht Spaß.“ Geschrieben hat Toni schon als „kleiner Bursch“. Das „Neue Deutschland“ druckte Gedichte des gebürtigen Köpenickers, und bei Margot Honeckers 60. Geburtstag brachte er ein paar Beispiele seiner Dichtkunst im Palast der Republik zu Gehör. Später schrieb er Geschichten, wenn ihn die Lust packte. Am liebsten für Freunde, die dann auch die Hauptrolle in seinen halb erlebten, halb erfundenen Erzählungen spielten.

Die Freude am Fabulieren merkt man Toni Mahoni auch in den über zweihundert Folgen seines Video-Blogs an, die er zwischen 2006 und 2008 auf der Internetplattform Spreeblick veröffentlichte. Mal preist er darin die Vorzüge des Biermixgetränks Radler, wenn man im sonnigen Biergarten nicht zu schnell blau werden wolle, dann ereifert er sich über Rauchverbote oder rät, bei Liebeskummer auf die kleinen Dinge des Alltags zu achten, Stubenfliegen zum Beispiel, da sei auch Liebe drin. Mahoni spielt Gitarre und Quetschkommode, mit 16 gründete er die Punkband Tobsucht, danach sang er lange bei The Marvellers. Heute ist er Frontmann der Toni Mahoni Band, die 2008 mit dem Album „Allet is eins“ debütierte. Vorbild: die amerikanische Indie-Formation Ween. „Die machen immer was Neues“, sagt Mahoni. „Außerdem leben die in einem Kollektiv. 50 Leute auf ’ner Farm, und die Band bringt die Kohle ins Haus.“

Vernetzt leben, sich gegenseitig unterstützen, tun, was gerade anfällt, mal Geld haben und mal eben keins – das kennzeichnet auch den Alltag des Lebenskünstlers Toni Mahoni. Obwohl er in Berlin kein Unbekannter ist, reichen die Auftrittsgagen und CD-Verkäufe oft nicht aus. „Wir sind zu viert in der Band. Da muss man schon noch arbeiten gehen.“ Zum Beispiel in einer „Softwareklitsche“, in der „eh lauter Freunde rumbasteln.“ Nebenher stellt Mahoni auch Pokale aus Knetmasse her, die unter anderem bei einer Motocross-WM Absatz finden, oder sortiert Schrott für eine Baufirma.

Als ihn der Galiani-Verlag fragt, ob er nicht ein Buch schreiben will, ist Mahoni gleich Feuer und Flamme. Die alten Geschichten erscheinen ihm für das Vorhaben zu absurd. Neue müssen her. Der rote Faden: Tiere. In jedem Kapitel sollen Tiere vorkommen. Und natürlich soll es wieder um die kleine Toni-Mahoni-Welt gehen, wie sie manche schon aus dem „Klub Mahoni“ kennen – einer Show, die alle zwei Monate im BKA läuft. Zu dieser Welt gehören neben der Band (Lofi, Pierre, Mäd Mädunski), Figuren wie der Musikproduzent „Driver“, der auf dem Land lebende „Felix“ und die stets Bademantel tragende Peggy Maschke.

Im Buch macht Toni aus ihr kurzerhand seine Freundin. Peggy ist eine konsumkritische, feministische, vegetarisch lebende Anarchistin. Mit ihrem Bademantel verweigert sie sich Schönheitsidealen und Moden. Protest betreibt sie aktionistisch: Sie besabbert Probier-Delikatessen im KaDeWe, demoliert einen Souvenirstand auf Rügen und prangert die Unterdrückung der Frau in der katholischen Kirche und klerikalen Missbrauch an: „Nieder mit der Männerkirche!“ Mahoni versichert, für Peggy lebende Exempel vor Augen gehabt und dann sogar verharmlost zu haben. Auffällig oft begegnen in den 16 lose verbundenen Geschichten Tiere in schmackhaft zubereiteter Form. Dafür hat Toni, der leidenschaftlich gerne kocht und isst, eine Erklärung. Immer wenn er schreibt, bekommt er Appetit. „Irgendwelche Drüsen werden da angeregt. Das rutscht dann in die Fantasie.“

Geschrieben hat Toni in Italien, an der Ostsee oder bei Freunden auf dem Land bei Berlin. Nicht selten in stundenlangen Schreibräuschen. So entstand der typische Mahoni-Flow: alltagsnah und schnoddrig wie Lesebühnengeschichten, aber mit längerem Atem. Und, anders als viele Ich-Erzähler der Berliner Lesebühnen-Szene ist Toni Mahoni kein Verlierertyp. Am Ende bekommt er immer, was er zum Leben braucht: Freunde, Liebe, Zeit und gutes Essen. „Allet wird jut. Und zwar morgen!“, verspricht das Buch. Am Ende dankt Toni auch seinen Eltern, „für die ständige Aufmunterung“. Dazu zählt er Geschenke wie das Set Whiskygläser, auf das Vater und Mutter Namen haben eingravieren lassen: „Toni Mahoni“, „Peggy Maschke“, „Mäd Mädunski“. „Die haben Spaß an dem Quatsch“, sagt Mahoni. „Und das freut mich natürlich.“

„Gebratene Störche“ von Toni Mahoni ist bei Galiani erschienen, 253 S., 14,95 €. Nächste Auftritte in Berlin: 22. Mai in der Kalkscheune („Die schöne Party“), 27. Mai im BKA („Klub Mahoni“).Weitere Informationen: www.tonimahoni.com

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