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Kultur : Trauer muss der Künstler tragen New York schreibt Wettbewerb für Ground-Zero-Denkmal aus

Matthias B. Krause

Sind Sie mindestens 18 Jahre alt, haben 25 Dollar und an den kommenden Wochenenden nichts vor? Ausgezeichnet, dann fehlt Ihnen nur noch eine gute Idee für ein Ground-Zero-Denkmal zum 11. September, und Sie haben die Chance, sich unsterblichen Ruhm zu erwerben. Vorher müssen Sie sich allerdings mit Ihrem Entwurf gegen ein paar tausend Konkurrenten durchsetzen, einige davon weltberühmte Architekten.

Jury-Mitglied James E. Young formuliert es so: „Alles was die Leute im Kopf haben, jede Reaktion werden wir berücksichtigen.Jeder, der etwas einreicht, soll das Gefühl haben, er kann gehen, wohin ihn seine Imagination und seine Trauer tragen.“ Als Ermutigung zu Unkonventionellem dürfte den Wettbewerbern auch die Berufung der chinesisch-amerikanischen Architektin Maya Lin in die Jury dienen. Lin hatte als 21-jährige Studentin mit ihrem Entwurf für das 1982 gebaute Vietnam-Denkmal in Washington alle Konkurrenten geschlagen. Sie hofft nun, dass die Designer und Architekten „eine neue Definition“ davon präsentieren, „was eine Gedenkstätte sein kann“.

Ein paar Regeln gibt es allerdings doch. So soll das Denkmal auf dem 450 Quadratmeter großen Gelände am Ground Zero seinen Platz finden, der von den Grundmauern der ehemaligen Zwillingstürme eingerahmt wird. Der Entwurf soll fünf Elemente enthalten: die namentliche Erwähnung der Opfer, ein Raum zur Reflexion, ein Besuchs-Bereich für die Angehörigen der Opfer und ein weiterer Bereich für die nicht identifizierten menschlichen Überreste. An die Wolkenkratzer selbst schließlich sollen ihre kenntlich gemachten Fußabdrücke erinnern.

Wer am Wettbewerb teilnehmen will, muss sich bis zum 29. Mai registrieren, Einsendeschluss der Entwürfe ist der 30. Juni. Die Jury wird die besten fünf Vorschläge benennen, nach einer weiteren Runde soll im Oktober der Sieger gekürt werden. Daniel Libeskind, der für den Wiederaufbau des Areals verantwortlich zeichnet, wird das Gremium beraten. Zumindest theoretisch hat damit die 13-köpfige Jury das letzte Wort, die die Lower Manhattan Development Corporation (LMDC) zusammengestellt hat – darunter Architekten, Gedenkstätten-Experten, Vertreter der Angehörigen und der Kommune. Neben den 3016 Toten von New York, Washington und Pennsylvania soll zudem der sechs Menschen gedacht werden, die beim ersten Anschlag auf das World Trade Center 1993 ums Leben kamen. Allerdings hatte sich schon beim Tauziehen um den Libeskind-Entwurf für einen Neubau auf Ground Zero gezeigt, dass im Zweifelsfall New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg und der Gouverneur des Bundesstaates George Pataki, das allerletzte Wort haben. ( Infos: www.wtcsitememorial.org )

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