Traumata : Warum ich FDP wähle

Norbert Thomma ist traumatisiert von der DDR, Roberto Blanco und 68.

Ich bin sexsüchtig, seit Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg erschoss.

Ich lese die Horoskope im „Stern“ und lebe streng danach, seitdem Heino kundtat, er sei in seiner Jugend Kommunist gewesen.

Ich erbreche mich nach dem Verzehr von Hühnerfleisch, seit ich als Ministrant von katholischen Priestern misshandelt wurde.

Ich zünde nachts gelegentlich Luxussportwagen in Grunewald an, seitdem Franz-Josef Strauß der DDR einen Milliardenkredit verschafft hat.

Ich neige zu roher körperlicher Gewalt, seit meine Frau nach Poona zog, um dort die Erfüllung zu suchen.

Ich schwärme für Bayern München, seit mir in den 70er Jahren an der Raststätte Hermsdorf eine Ausgabe von „Neues Deutschland“ in die Hände fiel.

Ich wähle FDP, seitdem ich Roberto Blanco im Radio habe singen hören.

Ich kaufe Bücher von Henryk M. Broder, seit mir Rudi Dutschke im Traum ein Risotto kochte.

Wie man sieht, bin ich ein schwer verstörter Mensch. Man darf mir nichts glauben. Ich sehe Zusammenhänge, wo es keine gibt. Deshalb ist dieser Kommentar ein ernst zu nehmender Beitrag in der Debatte über Kurras und die 68er-Generation.

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