Kultur : "Traumwelt Tibet": Martin Brauen auf den Spuren eines Mythos

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Shangri-La! Das Wort mit den drei Silben hat bis heute eine ganz eigene Magie. Eine Hotelkette trägt es im Namen. Eine Zigarettenmarke hat sich danach benannt. Musikalische Ensembles und Stücke schmücken sich mit ihm. Nur wo es herkommt und wofür es einmal stand, hat sich verflüchtigt. Es ist einfach zu lange her, dass James Hilton in seinem Bestseller "Lost Horizon" (Irgendwo in Tibet) ein tibetisches Utopia mit einer Bruderschaft von Lamas erfand, als dass sich noch jemand daran erinnern könnte: Selbst Frank Capras Verfilmung stammt aus dem Jahr 1937 - und spielt eher in einem Luxushotel westlicher Prägung als in asiatischer Umgebung. Martin Brauens hervorragend recherchiertes und reichhaltig illustriertes Buch "Traumwelt Tibet - Westliche Trugbilder" (Verlag Paul Haupt, Bern, 76 Mark) widmet sich ganz und gar dem imaginierten Tibet: An der Wirklichkeit muss es sich gar nicht erst messen lassen. Allein aus dem Blick auf die Legenden, die Fantasien, die Comics und Filme, die den Mythos Tibet von den Missionaren über die Nazis und Theosophen bis zu den Werbern von heute prägen, lässt sich soviel über das Bedürfnis nach dem Anderen im Eigenen erfahren, dass es nur am Rande um die Aufklärung einer Illusion geht.

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