Kultur : Traurig war er sowieso

Selbstmord mit 34: der Singer/Songwriter Elliot Smith ist tot

Christian Schröder

Diese Geschichte vom Aufstieg eines Sängers hätte kein Drehbuchautor besser erfinden können. Jahrelang war Elliott Smith mit seinen Liedern durch die Clubs der amerikanischen Westküste getingelt, dann stand er plötzlich vor einem Millionenpublikum. Es war die Nacht des 23. März 1998, die Nacht der Oscar-Verleihung, und Smith war mit seinem Song „Miss Misery“ nominiert, den er für den Film „Good Will Hunting“ geschrieben hatte. Fernsehzuschauer in aller Welt wurden Zeuge seines surrealen Auftritts inmitten des Hollywood-Glamours. Smith fühlte sich sichtlich unwohl in seinem weißen Anzug, er spielte Akustikgitarre und sang – die Augen halb geschlossen – sein kurzes Lied. Der Oscar ging an die „Titanic“-Sirene Celine Dion, Smith bekam einen Spitznamen: „That weird Oscar guy“, den verrückten Oscar-Typen, nannten sie ihn seither.

Am Dienstag wurde Elliot Smith tot in der Wohnung seiner Lebensgefährtin in Los Angeles aufgefunden. Eine offenbar tödliche Stichwunde in seiner Brust hatte er sich vermutlich selbst zugefügt. Smith wurde nur 34 Jahre alt. Seine Songs hießen „Ballad of Big Nothing“ oder „Rose Parade“, unter der flirrenden Melodiosität ihrer Oberfläche schien eine tiefe Melancholie verborgen zu sein. Popkritiker nannten ihn einen „Parade-Depro“ (Süddeutsche Zeitung), ein Etikett, das dem introvertierten Singer/Songwriter missfiel. „,Depressiv’ ist kein Wort, das ich benutzen würde, um meine Musik zu beschreiben“, erzählte er dem „Rolling Stone“ in einem Interview. „Aber es gibt Traurigkeit in meinen Liedern – damit das Glück umso deutlicher zu spüren ist.“

Elliot Smith wurde in Nebraska geboren und wuchs in Portland, Oregon auf. Mit zehn Jahren gewann er mit einem selbstgeschriebenen Stück einen Klavier-Wettbewerb, mit 18 gründete er die Punkband „Heatmiser“. Sein erstes Soloalbum „Roman Candle“ nahm er 1993 auf einem Vierspurtonband auf. Als ihn der Regisseur Gus van Sant als Komponist für „Good Will Hunting“ engagierte, war er schon ein Star des College-Radios. Danach wurden seine Platten immer opulenter und beatlesker, die CDs „XO“ (1998) und „Figure 8“ (2000) erschienen bei dem von Steven Spielberg gegründeten Label „Dreamworks“. Zuletzt arbeitete Elliot Smith an seinem sechsten Album, das „From A Basement On The Hill“ heißen sollte.

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