• Tschechische Filme: So schön wie Weihnachten - Sasa Gedeons "Die Rückkehr des Idioten" zum Beispiel

Kultur : Tschechische Filme: So schön wie Weihnachten - Sasa Gedeons "Die Rückkehr des Idioten" zum Beispiel

Silvia Hallensleben

Die Meldungen aus der tschechischen Kinolandschaft klingen oft so, als wären die Filmemacher dort vor allem damit beschäftigt, in imaginären Boxkämpfen Hollywoodknaller niederzukonkurrieren: mit Erfolg natürlich. "Akumulátor schlägt Jurassic Park", heißt es dann. Oder: "Titanic von tschechischem Faltboot versenkt!"

"Akumulátor 1" war der erste Erfolg von Jan Svérak ("Kolya"), eine skurrile SciFi-Parodie. Skurril, und eigentümlich. Denn der erstaunliche Erfolg, den viele Filme junger Tschechen im eigenen Land haben, resultiert nicht aus Anpassung an US- oder Euro-Normen, sondern im Gegenteil aus dem Beharren auf Eigentümlichkeit. Anders gesagt: Im tschechischen Kino gibt es nur drei Sorten von Filmen: Filme mit Russen, Filme mit Äpfeln und Filme mit Weihnachtsbäumen. Denn Weihnachtsbäume mögen zwar im Wald alle ähnlich aussehen; wenn sie aber in der guten Stube stehen, werden sie zwangsläufig zu deutschen oder tschechischen Weihnachtsbäumen.

Auch Sasa Gedeons "Die Rückkehr des Idioten" ist daheim ein Riesenknüller. Eine halbe Million Zuschauer, in einem Zehn-Millionen-Land nicht wenig. "Die Rückkehr des Idioten" ist, nach Motiven einer Erzählung von Dostojewski, ein Weihnachtsfilm. Tiefer Winter ist es, als Frantisek, ein verwaister junger Mann (Pavel Liska), aus der Anstalt entlassen wird, wo man ihn mit Elektroschocks behandelt hat. Tiefe Nacht, als er in dem Provinzstädtchen ankommt, wo er bei Verwandten unterkommen soll. Frantisek setzt sich in die Kneipe. Bier hat er noch nie getrunken. Noch nie mit einer Frau geschlafen. Doch als es hell wird, steckt er schon mitten im Beziehungsschlamassel, wenn auch als Zuschauer.

Der 28jährige Prager Regisseur erzählt diese Geschichte von Unschuld und Untreue in bedächtigen Tempo, doch mit einer stupenden Ökonomie, die langer Dialoge selten bedarf. Stattdessen setzt sie auf Blicke und fliegende Joghurtbecher. Und auf präzis kadrierte Sittenbilder aus dem winterlich erstarrten Provinzstädtchen. Ein Eisplatz. Eine vergammelte Tanzhalle. Die Eckkneipe könnte bei Hopper ausgeliehen sein.

Langsam arbeitet sich der Film ins Innere des Geschehens vor. Denn der Idiot, naiv, schaut dem Treiben erstmal verwundert durchs Fenster zu. Das soll sich ändern, denn Frantisek, das wurde ihm von den Therapeuten mitgegeben, soll sich einlassen auf das Leben. Was er sieht, ist solcher Gesundung erstmal nicht förderlich und nur verwirrend. Anna steigt schon vor der Hochzeit mit dem Schwager ins Bett. Die Schwester mit Annas Bräutigam. Frantisek weiß alles. Doch was tut er?

Schon in "Indian Summer" (1995) - keine Ozu-Parodie, sondern ein echter Apfelfilm - gelang es Sasa Gedeon, beiläufig aus ein paar Szenen und Stimmungen seine Geschichten zu knüpfen. Ein wenig verliert sein neuer Film nach einer Weile an Zauber, vielleicht sind die beiden hübschen Mädels und ihre kreuzweisen Burschen doch zu belanglos, um ernsthaft zu interessieren. Aber vielleicht sollen sie das ja auch gar nicht. Schauen wir lieber Frantisek und Emil zu, die sich unterm Weihnachtsbaum ihre Geschenke vorführen. Die Modellleisenbahn schnurrt dazu. Die Christbaumkugeln glitzern. Und das Publikum? Lächelt.

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