Kultur : Über allen Gipfeln

Katrin Wittneven

freut sich über erstklassige Künstlerinnen in Berlin Die Kunstgeschichte ist reich an zu Lebzeiten verkannten Künstlerinnen, die entweder im Schatten ihrer Männer standen oder im Nachhinein vergessen wurden: Klangvolle Namen wie Artemisia Gentileschi gehören dazu, Camille Claudel oder Paula Modersohn-Becker. Im Jahr 2005 scheint es keine Rolle mehr zu spielen, ob ein Werk von einem Mann oder einer Frau stammt. Oder doch? Der Blick auf die jüngsten „Contemporary“-Auktionsergebnisse aus New York mit Rekorden für Hopper und Warhol, für Gursky und Tuymans lässt den Schluss zu, dass es die Jungs doch wieder unter sich ausmachen, sobald es ums große Geld geht.

Eine Künstlerin, die solche Widersprüche kraftvoll auf die Leinwand bringt, ist die in New York lebende Nicole Eisenman . 1994 schuf sie eine Adaption des berühmten Gemäldes „Der Tanz“ von Matisse. Die Schönen tanzen darauf lustvoll um einen am Marterpfahl gefesselten Mann. Die Galerie Barbara Weiss zeigt nun erstmals in Deutschland eine Einzelausstellung mit Werken der 1965 in Frankreich geborenen Künstlerin (Zimmerstraße 88–89, bis 25. Juni). In einer fleischlich-rosarot gehaltenen Serie von Tuschezeichnungen, lässt die Künstlerin wie in Comics das Blut spritzen, Körper explodieren, und Genitalien beginnen ein ekstatisches Eigenleben zu führen (um 3000 Euro). Entspannter wirken dagegen die Gemälde „Mining I“ und „Mining II“ (je 29000 Euro), auf denen sie Utopien einer von Frauen bevölkerten Welt entwickelt. Zwischen Wasserfall und Berggipfeln liegen die Nackten behaglich im Wasser, spielen mit Katzen und gewinnen Farbe aus einem Bergwerk. Voll von beißendem Zynismus erscheinen dagegen die Porträts, auf denen die Künstlerin mythologische und kunsthistorische Elemente verknüpft und selbstironisch fragt „How is my Painting?“ (8500 Euro).

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Gleich nebenan zeigt die Galerie Klosterfelde eine Ausstellung mit Arbeiten der 1967 geborenen brasilianischen Künstlerin Rivane Neuenschwander (bis 2. Juli). Zunächst wirkt das Entree leer. Doch sobald der Besucher den schwingenden Holzboden betritt, bringt er die darunter verborgenen Instrumente aus Blech zum Quietschen, Zirpen, Singen. Der nächste Raum ist fast vollständig ausgefüllt mit einem dreidimensionalen Kreuzworträtsel aus Spruchbändern. Boden, Volumen und Wand stehen im Zentrum dieser Raumskulpturen, die konzeptuelle Strenge, Minimalismus und Poesie mit federnder Leichtigkeit verbinden (Preise auf Anfrage).

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Einen Katzensprung weiter, im gleichen Galerienquartier sind die Gemälde der in Berlin lebenden Norwegerin Liv Mette Larsen in der Galerie Kai Hilgemann ebenfalls überaus sehenswert: farbige Silhouetten von Menschen, die wie verloren in der – nordischen – Landschaft stehen (bis 25. Juni, Preise 2000/12000 Euro). Übersehen kann diese künstlerische Frauen-Power wirklich keiner mehr.

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