Kultur : Über die Rückkehr des Starpianisten

Jörg Königsdorf

Die Starbesetzung seines Sonntagskonzertes in der Philharmonie wird dem Deutschen Symphonieorchester (DSO) vermutlich gerade recht kommen: Kaum haben ihm seine Gesellschafter endlich die ersehnte Spitzenstellung eingeräumt, kann das Orchester einen Vorgeschmack darauf geben, welche Künstler es bei besserer finanzieller Ausstattung künftig öfter verpflichten könnte: nämlich alle, die für die Philharmoniker zu teuer sind. Denn mit den Philharmonikern aufzutreten ist immer noch eine Ehre, die Solisten und Dirigenten mit geringeren Honoraren zufrieden sein lässt - das DSO dagegen muss sich vorerst noch mit Starglamour von außen als Weltklasseformation profilieren und dafür gutes Geld auf den Tisch legen. Und wer besäße in der gesamten Klassik-Szene mehr Star-Aura als Ivo Pogorelich? Mit dem zweiten Chopin-Konzert knüpft er wieder an die Anfangsjahre seiner Karriere an, als er vor 25 Jahren fast über Nacht zum Star wurde. Mit dem f-moll-Konzert tourte er damals (als er noch bezahlbar war) durch die Lande. Pogorelichs faszinierend kühnes, rhapsodisch freies Klavierspiel von einst ist inzwischen Legende. Läßt sich eine Legende wiederholen? Die Chancen stehen zumindest gut. Denn das DSO hat mit seiner Starpolitik nicht beim Solisten aufgehört und konnte mit dem Japaner Yutaka Sado einen der heißesten Namen der internationalen Dirigentenszene engagieren. Der 39jährige Sado hat seit kurzem einen Exklusivvertrag beim Klassik-Riesen Eastwest, sein Aufstieg in den Kreis der Pultstars scheint somit fast vorprogrammiert. Berlins übrige Orchester sollten da schnell zugreifen - sonst kann ihn bald nur noch das DSO bezahlen. (9.4.)Aus der Serie "Sotto voce"

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