Kultur : Und einer lacht hysterisch

MARTIN WILKENING

"Woher-Wohin? Komponieren heute", so heißt die neue Konzertreihe des Schauspielhauses für zeitgenössische Musik, und eine hintergründigere Inszenierung dieser doppelten Frage hätte man sich zum Auftakt kaum denken können: Vinko Globokar, dem das erste dieser mit einem Vortrag gekoppelten Konzerte gewidmet war, hatte zwei Kompositionen an Anfang und Ende des Konzerts gestellt, in denen das Woher und das Wohin der Musik auf gleichsam existentielle Weise pointiert schien, der Konzertsaal und mit ihm die Aufführung als etwas zwischen diese beiden Pole Geschaltetes nur Übergangscharakter annahm.In "Discours VII" kommt ein signalartiger Tonstrom zunächst von außen: Fünf Blechbläser betreten nach und nach den Raum, in dem sie dann eine Fülle von Kommunikationssituationen musikalisch entfalten, um die Zuhörer herum, in direkter Ansprache an einzelne Zuhörer und schließlich auf der Bühne.In anhaltenden Repetitionen wilder Riffs krampft sich die Musik zu einem chaotisch dichten und rein "musikalischen" Finale zusammen, nachdem sie sich zuvor als durchsichtige Textur durch den Raum gezogen hatte und beherrscht schien von einem im wörtlichen Sinne "sprechend" artikulierenden Umgang mit den Blasinstrumenten.

Die Heiterkeit, die sich schon hier im Publikum zeigte, steigerte sich noch einmal im abschließenden "Blinde Zeit".Dabei ist Globokar alles andere als ein Komiker, wie er auch bei seinem Vortrag am nächsten Morgen erfolgreich glaubhaft machen konnte.Die Komik dieses Stückes kam, wie alle gute Komik, aus einer Stimmung auswegloser Melancholie.Und sie ist ein Reflex jener außermusikalischen Determination, der Globokar Vorrang in seiner musikalischen Erfindung einräumt.Sechs Musiker haben ihren festen Platz auf der Bühne, und ein Bratschensolist, der sich mit einer langgesponnenen Melodie auf der Suche nach seinem Ort in den Saal verirrt, dort herumwandert und vergeblich versucht, aus verschiedenen Fragmenten musikalisch gestalteter Zeit Kontinuität zu gewinnen, bricht schließlich hinter der Bühne in hysterisch bittere Lachanfälle aus, während auf der Bühne die Musik im kontinuierlichen Tieferstimmen der zwei Saiteninstrumente allmählich in Tiefschlaf verfällt, die anderen Instrumentalisten vergeblich versuchen, wieder ein bißchen Stimmung zu verbreiten, und auch der Dirigent irgendwann entschlossen zusammenpackt und verschwindet.Beeindruckend die Präzision, mit der das außerordentlich gut einstudierte Ensemble BerlinUnited diese Musik realisierte, inklusive der szenischen Komponenten als deren integraler Bestandteil.

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