Kultur : Unerschrocken

Zum Tod des Schauspielers Ezard Haußmann

Teufel noch mal. Ezard Haußmann (10. 2. 1935–6. 11. 2010) in „Jedermann“ Foto: dpa
Teufel noch mal. Ezard Haußmann (10. 2. 1935–6. 11. 2010) in „Jedermann“ Foto: dpaFoto: dpa

Er hat den Teufel gespielt und den Jedermann, Shakespeares Prospero und Schillers König Philipp, den Chorführer im „Ödipus“, den Harpagnon in Molières „Der Geizige“ und Hendrik in der Theateradaption von Sándor Márais „Die Glut“. Seine Bühnenfiguren sind streitlustig, voller sprödem Humor, mit dem Mut zur Derbheit und zum Boulevard.

Ezard Haußmann war ein leidenschaftlicher, unerschrockener Spieler, einer, der sich auch politisch den Mund nicht verbieten ließ: 1968 legte er aus Protest gegen die gewaltsame Beendigung des Prager Frühlings einen Kranz vor der Tschechischen Botschaft in Ost-Berlin nieder, kam mehrere Monate ins Gefängnis und erhielt zehn Jahre Berufsverbot. Ostalgie hat er später gehasst.

1935 in Charlottenburg geboren, brachte der Sohn einer 1956 in die DDR übergesiedelten Theaterfamilie sich die Schauspielerei zunächst selbst bei. Mit einem Ernst-Busch-Schauspieldiplom in der Tasche gelangte er über Quedlinburg und Wismar zum Deutschen Theater, spielte 24 Jahre lang Charakterrollen an der Volksbühne und gehörte nach dem Mauerfall unter anderem zum Ensemble des Schauspielhauses Bochum, unter der Intendanz seines Sohns Leander.

Haußmann zählt zum Urgestein des DDR-Theaters wie der DEFA. In über 150 Filmen spielte er mit, in DEFA-Großproduktionen wie in Krimi- und Abenteuerserien fürs Fernsehen. EinVolksschauspieler, ein Theatertier, ein Familientier: Er arbeitete an der Wiener Burg genauso wie im Theater am Kurfürstendamm, stand unter Regie von Luc Perceval oder Heribert Sasse auf der Bühne, machte sich für die Erhaltung des Steglitzer Schlossparktheaters stark. Immer wieder trat er in den Inszenierungen und Filmen seines Sohns auf, in „Sonnenallee“, „NVA“ oder Bühnenklassikern. Seine letzte große Rolle eines rebellischen Rentners in der Kinokomödie „Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alt aus!“ hat Leander Haußmann ihm regelrecht auf den Leib geschrieben. Als pensionierter Manager plant er vom Altersheim aus einen großen Coup, verliebt sich, amüsiert sich und tanzt auf dem Potsdamer Platz.

Im Sommer 2009 wurde ein Hirntumor bei ihm festgestellt, über die Krankheit und die Chemotherapien hat er offen gesprochen. Am Samstag ist Ezard Haußmann im Kreis seiner Familie mit 75 Jahren in Berlin gestorben. chp

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