Kultur : Unsere Tops & Flops

DAVID ASSMANN



Top:

„In the Shadow of a Man“ (Panorama). Gesellschaftliche Konventionen sind schwerer zu brechen als politische Strukturen. Die bewegende Doku bleibt optimistisch: Die Rolle der Frau in Ägypten kann auch eine Rolle vorwärts sein.

Flop: „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ (Panorama). Schlimmer als ein schlechter Film: eine reißerische Reportage ohne jeden Erkenntnisgewinn.

PETER VON BECKER

Top: „Just the Wind“ (Wettbewerb). Kunst, die ums Leben spielt.

Flop: „Glück“ (Special). Kitsch, der über Liebe und Leichen geht.

KERSTIN DECKER

Top: „Barbara“ (Wettbewerb). Für seine Allmählichkeiten, seine Übergänge, seine Kunst zu schweigen.

Flop: „Was bleibt“ (Wettbewerb). Für seine Unbeholfenheit, seine Dialoge. Für seine peinlichen Direktheiten, seine direkte Peinlichkeit.

SILVIA HALLENSLEBEN

Top: „Peov Chouk Sor“ (Forum). Eine einzige Kopie seines zauberhaften Märchens konnte der Regisseur vor der Vernichtungswut der Roten Khmer retten. Die leuchtet nun umso strahlender.

Flop: „The Iron Lady“ (Hommage). Hier stimmt einfach gar nichts. Streeps hysterische Verkörperung einer politischen Karriere möchte man der Lady selbst als Thatcher-Feindin nicht gönnen.

SEBASTIAN HANDKE

Top: „Headshot“ (Panorama). Vom Cop zum Killer zum Mönch: Karma-Thriller mit Sogwirkung.

Flop: „Iron Sky“ (Panorama). Ganz nett, aber aus der Idee hätte man mehr machen müssen.

JULIAN HANICH

Top: „Metéora“ (Wettbewerb). Liebesgeschichte zwischen Askese und Hedonismus. Wenig Worte, viel Stilwille.

Flop: „Flying Swords of Dragon Gate“ (Außer Konkurrenz). Schwertgefuchtel mit lachhaften 3-D-Effekten – das Gegenteil von Martial-Arts-Eleganz.

NADINE LANGE

Top: „Just the Wind“ (Wettbewerb). Durch seine stille Erzählweise und die buchstäblich körperliche Nähe zu seinen Protagonisten entfaltet das Drama eine irre Wucht.

Flop: „Cherry“ (Panorama). Völlig beknackte, nicht nachvollziebare Coming-of-Age-Geschichte in der kuscheligen Porno-Szene von San Francisco.

HARALD MARTENSTEIN

Top: „Iron Sky“ (Panorama). Nicht der beste Film, aber der erfrischendste. Ohne intelligenten Trash wäre ein Festival, auch ein gutes, viel zu ernst und traurig.

Flop:
„Don – The King is back“ (Special). Trash kann auch furchtbar sein.

HELMUT MERKER

Top: „Barbara“ (Wettbewerb). Höchste Zeit für die Welt zu erkennen: Nina Hoss ist ein Star, selbst in der DDR-Tristesse.

Flop: „Captive“ (Wettbewerb). Die Schmerzensmiene von Isabelle Huppert und das „Allah-u-akbar“-Gebrüll islamischer Gotteskrieger: hilfloses Politkino.

FRANK NOACK

Top: „Metéora“ (Wettbewerb). Ein religiöser Erotikfilm mit unvergesslichen Situationen, bizarr und niemals lächerlich.

Flop: „Cherry“ (Panorama). Ein bisschen Schund muss sein auf der Berlinale, aber dieses „Showgirls“-Imitat gibt sich seriös und selbstreflexiv und langweilt nur.

JAN OBERLÄNDER

Top: „Iron Sky“ (Panorama). Nazis! Raumschiffe! Space-Schlachten! Und das bisschen eingebaute Polit-Satire stört auch nicht. Ein herrlich beknackter Spaß.

Flop: „Westerland“. Zwei Jungs auf Sylt, völlig passiv, völlig gelangweilt. „Keine Ahnung, was du meinst“, sagen sie ständig zueinander. Nachvollziehbar.

CHRISTIANE PEITZ

Top: „L’enfant d’en haut“ (Wettbewerb). Ein Junge stiehlt, um zu leben. Und die traumhafte Kamera von Agnès Godard wird zu seinem Komplizen.

Flop: „Bel Ami“ (Außer Konkurrenz). Dass Roger Pattinson mit Vampirblick durchs alte Paris läuft – geschenkt. Aber warum grimassieren auch Christina Ricci, Uma Thurman, Kristin Scott Thomas?

CHRISTIAN SCHRÖDER

Top: „Barbara“ (Wettbewerb). Weil man die DDR so noch nicht gesehen hat, als spätsommerlich blühende Landschaft ohne Grauschleier. Und weil man schmerzhaft spürt, wie sehr es die Menschen zerrissen hat bei der Entscheidung: Bleiben oder gehen?

Flop: „Tabu“ (Wettbewerb). Im Kino gewesen. Eingeschlafen.

JAN SCHULZ-OJALA

Top: „Gnade“ (Wettbewerb). Klug, leise, voller Überraschungen – und mit einer Traum-Szene kurz vor Schluss.

Flop:
„Dictado“ (Wettbewerb). Dumm, laut, redundant.

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