• Unverwechselbar wie McChicken - Nach "House" ein weiteres Stück von Jungregisseur Richard Maxwell

Kultur : Unverwechselbar wie McChicken - Nach "House" ein weiteres Stück von Jungregisseur Richard Maxwell

Sandra Luzina

"Action" muss für Richard Maxwell ein Fremdwort sein. Der aus Fargo stammende, in New York lebende Regisseur ist mit seiner Version des No-Theater hervorgetreten. Nein zu körperlichem und emotionalen Ausdruck, Nein zu schauspielerischem Gestus und bewegtem Spiel: Maxwell nähert sich dem Nullpunkt des Theaters. Beim Festival Theater der Welt im vergangenen Jahr landete der Jungregisseur mit "House" einen Überraschungserfolg. Daran knüpft "Showy Lady Slipper" an. Das Geschehen spielt wieder in einem Haus - dem von Lori, Erin und Jennifer. Und auch diesmal setzt Maxwell seinen Abgesang auf die weiße middle-class fort. Verglichen mit diesem Teenager-Universum beeindruckt "Veronas Welt" durch einen imposanten Erfahrungs-Horizont.

Das Markanteste an den drei Teenagern sind ihre Klamotten: unförmig und gesichtslos. Die Girls bei Maxwell haben die Unverwechselbarkeit eines McChicken. Wie überhaupt die Figuren bloße Schablonen sind, die das Stereotype vor sich hertragen. Maxwells Kunstgriff: er treibt die Verflachung und Banalisierung der Diskurse weiter, wo bereits der Tiefstand erreicht scheint. All die Gespräche um Autos, Pferde und Typen werden mit der gleichen Interesselosigkeit gestreift. Die vorgestanzten Phrasen gipfeln in dem Ausruf: "Oh, my god!" Aus der Anhäufung von sprachlichen Stereotypen bezieht die Inszenierung ihren Minimal-Witz.

Es sind gigantische Sprechblasen, die die Figuren absondern. Maxwell zerschneidet dabei das Band zwischen Sprache und Körper. Mit aufreizender Schlaffheit agieren die Darstellerinnnen. Kraftlos sitzen und stehen sie herum, nur selten wechseln sie ihre Position. Gut die Hälfte der 60 Minuten ist um, da betritt John, Loris Boyfriend, die Szene. Wie zu erwarten, gibt es nichts als Ärger mit dem Typen. Maxwell greift das Thema des Liebesverrats auf. Findet sein Theater nun doch noch zu Affekt und Konflikt? Doch nur eine verblasste Erinnerung an die Quintessenz des Dramas findet sich. Die gleichbleibend neutrale Spielweise ebnet alles sein. Alles ist gleichgültig - so lautet die Botschaft. Und auch die Songs mit ihren sentimentalen Texten sind kein Ventil für unausgesprochene Gefühle. Unverbunden sind Text und Figur, Stimme und Körper. Undurchdringlich wirken die Frauen, nicht aber unergründlich. Jean Ann Garrish, Sibyl Kempson und Ashley Turba beweisen nicht nur Mut zur Hässlichkeit, sondern auch eine Könnerschaft im "No-Acting".

Aus der parodistisch zugespitzten Apathie eine szenische Kraft zu entwickeln, gelingt diesmal nicht. Ausgehöhlte Figuren, entleerte Rede: Maxwell hat gründlich gearbeitet - und schmerzfrei. Er schneidet so viel dramatisches Fleisch weg, dass kein Rest mehr bleibt. Und so mündet sein Theater in der Langeweile.Hebbel-Theater, bis 28. Mai, jeweils 20 Uhr

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