Kultur : Ursula Walther aus Berlin

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Ich bin ein eingefleischter Berlinale-Fan! Seit zehn Jahren lebe ich in der Stadt, im ersten Jahr hatte ich keine Zeit für die Berlinale und fand das ganz furchtbar – seitdem stehe ich hier jedes Jahr in der Schlange. Langweilig finde ich es nicht: Ich denke nach oder lese etwas. Inzwischen habe ich auch schon so viel Erfahrung mit der Berlinale-Schlange, dass ich weiß: Von hier aus brauche ich noch eine gute Stunde bis zum Kassenhäuschen.

In einem Jahr war ich sogar mal in der Jury der Forums- Filme! Das war ziemlich spannend. Ich glaube, ich habe in den Extra-Vorstellungen für die Jurymitglieder über 60 Filme angeguckt – manchmal von morgens früh um acht bis abends um zehn. Das Schwerpunktthema war damals China, da habe ich viel über das Land gelernt.

Heute stehe ich für zwei Filme aus dem Panorama an. Der eine heißt „Lover Other“, das ist eine amerikanische Dokumentation über zwei surrealistische Künstlerinnen und Widerstandskämpferinnen. Der andere Film, den ich sehen will, ist „Nachbeben“, das ist ein Spielfilm aus der Schweiz über eine Abendgesellschaft, die aus dem Ruder gerät.

Meistens stehe ich für Filme an, die nicht ins Kino kommen. Die Retrospektive ist daher nur meine zweite Wahl. Letztes Jahr habe ich auch einige Filme aus dem Kinderfestival angeschaut. Die Kinder- und Jugendperspektive interessiert mich, ich habe beruflich mit Jugendlichen zu tun: Ich betreue therapeutische Wohngruppen von Teenagern, die wieder eingegliedert werden sollen. Die meisten dort haben

gar keine Ahnung, dass es die Berlinale überhaupt gibt. Viele von ihnen sind leider mit so vielen Problemen beladen, dass sie sich dafür gar nicht interessieren können. Aber ich bringe demnächst auch mal ein Programm in die Wohngruppe mit.

— Aufgezeichnet von Anne-Dore Krohn, Foto: Mike Wolff

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