Kultur : Urtrieb Kuh

MICHAEL ZÖLLNER

Sebastian Kusenbergs Ausstellung "playing life" in der Prater-GalerieVON MICHAEL ZÖLLNERDie Kühe sind überall: Im Kakteenwald von Gran Canaria, auf dem Fensterbrett eines New Yorker Hochhauses, am Alexanderplatz.Was sich nach einem Urlaubstrip landwirtschaftlicher Nutztiere anhört, ist für Sebastian Kusenberg in der Galerie am Prater Konzept.In der Ausstellung "playing life" geht es um den menschlichen Spieltrieb, den der Künstler durch geschnitzte Holzkühe symbolisiert, als den Urtrieb des Menschseins erkennt.Seine Schwarzweiß- und Farbfotografien weisen durch die "deplazierten" Kühe einerseits Störungen der Wirklichkeit und andererseits Verstärkung der idyllischen Stimmung auf.Wo Kühe grasen, muß es friedfertig zugehen.Wirklichkeit im Spiel steht dem Spiel mit der Wirklichkeit gegenüber.Das beste aller Spiele ist aber das, welches Spaß macht und Lerneffekt besitzt.Die unvermutet auftretenden Holzkühe verzerren die Bilder und schaffen absurde Situationen.Kühe im Schnee, beim Baden oder von Menschen als Schußwaffe mißbraucht, rauben den Bildern jeden Ernst.Der Lerneffekt ist ähnlich beeindruckend.Man lernt, wie man es nicht machen sollte.Selbst in den Bildern, die keine Kühe zeigen, sucht man diese unaufhörlich.Da Sebastian Kusenberg das Spiel allerdings ausschließlich unter thematischem Aspekt betrachtet, verschenkt er die Möglichkeit, sich auch formal auszuprobieren.Die Bandbreite fotografischer Mittel, in der Entwicklung und der Präsentation, schöpft er kaum aus.Er beschränkt sich auf den rein dokumentarischen Ansatz, unterläuft damit sein eigenes Konzept. Galerie am Prater, 13.3.- 5.4.

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