VERISMO-OPER„Tiefland“ : Einfaltspinsel als Feigenblatt

Pedro ist ein Naturbursche und rechter Einfaltspinsel. Hoch auf den Bergen sagt er abends zwei Gutenachtgebete. Eins für seine Eltern und eins, damit er eine Frau findet, die ihn liebt. Als Don Sebastiano ihn mit Marta verkuppeln will, kriegt der sympathische Dummkopf nicht mit, dass er nur das Feigenblatt für die Beziehung der beiden sein soll. Als er schließlich versteht, was um ihn herum gespielt wird, ist es fast schon zu spät. „Hinauf, hinauf in die Berge“ will er dann, und spätestens hier streift Eugen d’Alberts Oper „Tiefland“ meistens die Grenze zur unfreiwilligen Komik.

Die einzige deutsche Verismo-Oper feiert derzeit ein Comeback an vielen Bühnen, irgendetwas scheint also dran zu sein an der Geschichte vom naiven Hirten, der sich im verlogenen Kapitalismus des Tieflandes behaupten muss. Die Komposition schreckt auch vor dem ganz großen Gefühl nicht zurück und birgt viele Untiefen. Doch mit Yves Abel steht ein Mann am Pult, der gerne in die Vollen geht, und Torsten Kerl hatte als Pedro gerade einen riesigen Erfolg an der Wiener Volksoper. Ganz so dumm möchte der Tenor seinen Pedro nicht verstanden wissen: „Schließlich bleibt er bei der vermeintlich entehrten Frau, weil er sie wirklich liebt und erschlägt den Fiesling. Das ist für die Entstehungszeit ziemlich ungewöhnlich.“ Und ein Glück für Marta, gesungen von Nadja Michael. Das übrige, eher holzschnittartig gezeichnete Personal der Oper dürfte eine Herausforderung für den Regisseur Roland Schwab sein, der zuletzt die „Mozart-Fragmente“ als düstere Parabel auf die Vergänglichkeit menschlichen Seins inszenierte.

Deutsche Oper, Fr 30.11. (Prem.), Mo 3.12., 19.30 Uhr,

ab 37 €

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