Kultur : Verlust für Berlin

München zeigt ab heute die Sammlung Bollert

Christina Tilmann

Als „Höhepunkt der Aktivitäten zum 150-jährigen Bestehen“ kündigt das Bayerische Nationalmuseum in München die Präsentation der Sammlung Bollert an. Es sei „die wohl einzige der großen privaten Skulpturensammlungen des frühen 20. Jahrhunderts“, die in ihrem Kernbestand erhalten werden konnte. Zudem ergänze die Sammlung mit ihrem Schwerpunkt auf süddeutschen Bildwerken der Spätgotik die Bestände des eigenen Museums aufs Schönste: Zwei bedeutende Werke der Sammlung, Tilman Riemenschneiders „Fußwaschung“ und eine Maria des Meisters der Biberacher Sippe, befinden sich schon seit Jahrzehnten als Leihgaben oder Ankauf in München.

Was die Presseerklärung nicht verrät: Die Sammlung Bollert ist eine Berliner Sammlung. Der Justizrat Gerhart Bollert hatte sie zwischen 1908 und 1939 für sein im Krieg zerstörtes Privathaus zusammengestellt. Lange Jahre hatten auch die Berliner Museen mit den Erben über eine Präsentation verhandelt; im Jahr 2000 war die Sammlung am Berliner Kulturforum zu sehen gewesen. Am Ende scheiterte es wohl daran, dass die Berliner Museen nicht bereit waren, die komplette Sammlung in eigenen Räumen zu zeigen.

In München werden die 125 Werke ab heute in voller Schönheit zu sehen sein – in einem „zeitgemäßen, doch dem Charakter einer Privatsammlung angemessenen Ambiente“. Wer am Wochenende die frisch restaurierten Säle des Berliner Bode-Museums gesehen hat, kann das nur zutiefst bedauern: Wie zeitgemäß, wie angemessen wäre diese bedeutende Berliner Sammlung im Kontext der Skulpturensammlung dort zu zeigen gewesen.

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