• Verschwörungstheorien: Ein grundlegendes Werk von Robert Anton Wilson über Konspiration, Geheimbünde und Intrigen

Kultur : Verschwörungstheorien: Ein grundlegendes Werk von Robert Anton Wilson über Konspiration, Geheimbünde und Intrigen

Ralf Balke

Wer Robert Wilsons Buch zur Hand nimmt, merkt rasch: Verschwörungstheorien können einen hohen Unterhaltungswert haben. Rege Zusprache erfahren derzeit die "Abductees Anonymous", die Anonymen Entführungsopfer, die von sich behaupten, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Auf der Suche nach den Schuldigen für alles Böse oder Unerklärliche sind Aliens aus dem All mittlerweile der große Renner. Viele Amerikaner glauben gar, dass ihre Regierung zwischen 1969 und 1971 einen Vertrag mit Außerirdischen geschlossen habe, in dem es um den Austausch von Technologie ging und die Erlaubnis, Erdenbewohner sexuell auszubeuten.

Doch Wilson warnt davor, alle Verschwörungstheorien nur als einen Zeitvertreib für Spinner zu betrachten. Wie er anhand der rund 350 in seinem Buch zusammengetragenen Konspirationstheorien aufweist, bergen viele von ihnen enormen Zündstoff. Denn Menschen, die an dunkle Mächte glauben, verfügen oft über eine hohe Gewaltbereitschaft. So etwa Timothy McVeigh, der Bombenleger von Oklahoma City. Er war davon überzeugt, dass ihm während seines Militärdienstes ein Kontrollmikrochip eingepflanzt wurde.

Verschwörungstheorien gehen also häufig einher mit Mord oder gar Genozid. Holocaust-Leugner beispielsweise behaupten, dass die systematische Ausrottung von sechs Millionen Juden nie stattfand. "Jeder, der das Gegenteil behauptet, ist entweder Teil der internationalen Verschwörung, die das vortäuscht, oder er ist auf sie hereingefallen." Diese Art der Argumentation ist symptomatisch für die Anhänger selbst der abstrusesten Theorien. Wilson hat nicht nur alle möglichen Konspirationstheorien gesammelt, er verweist auch auf Literatur und Websites. Das Internet scheint ein Tummelplatz für Verschwörungsgläubige zu sein. Einen Boom gab es nach dem Tode von Lady Di. Schon wenige Stunden nach ihrem Unfall im Pariser Autotunnel wurden die ersten Theorien gehandelt. So galt die "Königin der Herzen" etwa als Opfer von Waffenhändlern, denen ihr Engagement gegen Landminen ein Dorn im Auge war. Den Vogel schoss ein Online-Magazin mit dem Namen "Conspiracy Nation" ab: Dort hieß es, der Autotunnel sei ein "heidnischer Opferplatz" aus vorchristlicher Zeit, wo Lady Di sterben musste, weil sie sich geweigert habe, Präsident Clinton zu heiraten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben