Kultur : Verzichte und herrsche

Die neueste Wendung im Kampf um Suhrkamp.

Auch nach dem Antrag auf ein Schutzschirmverfahren kommt der Suhrkamp- Verlag nicht zur Ruhe. Minderheitsgesellschafter Hans Barlach und seine Medienholding AG, die 39 Prozent am Unternehmen halten, haben bekanntgegeben, auf eine ihnen zustehende Ausschüttung von 2,2 Millionen Euro vorerst verzichten zu wollen. Mit dem sogenannten Rangrücktritt stellt sich Barlach ans Ende der Gläubiger. Dies sei ein Signal dafür, dass man am Fortbestand des Unternehmens interessiert sei. Auch Gespräche mit Ulla Unseld-Berkéwicz wolle man wieder aufnehmen, betont die Medienholding AG.

Kurios daran: Barlach selbst hatte die Ausschüttung erst im März vor dem Frankfurter Landgericht erstritten. In der Folge hätte auch die Mehrheitseignerin, die Unseld-Familienstiftung, mit Millionenzahlungen bedacht werden müssen. Die daraus entstehende Belastung hätte das Unternehmen bilanziell überschuldet, befand die aktuelle Geschäftsführung – und beantragte mit dem Schutzschirmverfahren eine Vorstufe der Insolvenz. Barlach geht nun davon aus, dass auch die Familienstiftung auf ihre Forderungen vorläufig verzichtet – und so ein Insolvenzverfahren noch abgewendet werden kann. Beide Seiten beschäftigten Kohorten von Anwälten, meint Barlach. Was sie kosten, könnte sinnvoller im Verlag angelegt werden.

Dass der Minderheitsgesellschafter bislang entgegen allen Zusagen nichts in Suhrkamp investiert, wohl aber viele Millionen aus dem Unternehmen gezogen hat, beschäftigt auch die „Zeit“ in ihrer neuesten Ausgabe. Darin berichtet sie von der gescheiterten Initiative der Mäzene Sylvia und Ulrich Ströher, Barlach seine Anteile abzukaufen. Suhrkamp selbst reagiert auf die Verzichtserklärung gelassen: „Aus Sicht der Verlags kommt die Erklärung zu spät“, sagte Suhrkamp-Sprecherin Tanja Postpischil. „Wir gehen davon aus, dass sie das Schutzschirmverfahren nicht tangiert.“ Wenn es tatsächlich eröffnet werden sollte, könnte der Einfluss des Minderheitsgesellschafters eingeschränkt werden. Auch der Wert des Unternehmens würde dann neu taxiert. Beides kann dem Investor Barlach nicht recht sein. UA

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