Kultur : Vielversprechend

UWE FRIEDRICH

Für Melanie Papoulkas gingen gleich zwei Träume in Erfüllung.Erst gewinnt die 23jährige beim Bundeswettbewerb Gesang den ersten Preis der Sparte Oper, dann bietet ihr auch noch Jurypräsident Albin Hänseroth einen Platz im Hamburger Opernstudio an.Zwar hat Melanie Papoulkas den Gesangston noch allzu fest im Griff, singt noch nicht entspannt genug, aber das ganz eigene Mezzotimbre ist nicht zu überhören, eine Ausnahmestimme kündigt sich hier an.

Von über zweihundert Teilnehmern wurde schließlich elf im Finale mit Preisen belohnt, acht Frauen, drei Männer.Doch auch diese sorgfältig ausgewählten elf berechtigen nicht unbedingt zu größten Hoffnungen.Selbst Jurypräsident Hänseroth kann nur bei vier der Ausgezeichneten das Potential für eine bedeutende Karriere erkennen - freilich ohne Namen zu nennen.Auf seiner Liste dürfte jedoch auch Anke Vondung stehen.In der Briefszene aus Massenets "Werther" zeigte sie den ganzen Farbenreichtum ihrer Stimme, die Fähigkeit zur großen Linie, zum abrupten Stimmungswechsel vom emphatischen Aufschwung zur kleinen Pianogeste.Mit Sicherheit noch nicht am Ziel seiner Wünsche ist der Bariton Oliver Zwarg, der mit Schuberts "Prometheus" nicht recht überzeugen konnte, dafür aber mit einer Arie aus Mozarts "Le nozze di Figaro" neugierig auf mehr machte.

Zu den wirklich problematischen Vertretern des Wettbewerbs gehören der eindimensionale Baß Thorsten Grümbel, Sonja Gerlach mit zwar perfektem dreigestrichenen E, das jedoch jenseits der zehnten Reihe kaum jemand hört, weil sich der schlecht fokussierte Ton sofort im Raum verflüchtigt, sowie Jutta Koch, die ihre "Königin der Nacht" so bedenkenlos auf der stimmlichen Substanz singt, daß ihre Karriere einfach nicht lange dauern kann.Wahrscheinlich muß man diese Randerscheinungen als Hintergrund verstehen, vor dem dann die Sterne Vondung und Papoulkas nur um so heller strahlen.

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