Kultur : Vier Flaschen für ein Hallejula

Premieren, Preise, Prominente: Kurz vor Berlinale-Ultimo ballten sich noch einmal die Partytermine

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Ach, das waren noch Zeiten, damals in den späten Siebzigern im Partykeller des Studentenwohnheims der St. Petri-Gemeinde in Göttingen, Martin-Luther- Straße 18 –, wo sonst. Ein dunkles Loch, rustikal eingerichtet, von Tropfkerzen illuminiert. Das Bier tranken wir aus Flaschen und tanzten zu „Venus“ von Shocking Blue, „Ain’t Seen Nothing Yet“ von Bachman Turner Overdrive oder „American Pie“ – das Original von Don McLean, an Madonna war nicht zu denken.

Drei Jahrzehnte später: Diesmal Berlin, Club Bohannon, Dircksenstraße 40 in Mitte, wieder im Keller, die Einrichtung scheint auch hier eher rustikal zu sein, aber genau ist das im Schummerlicht nicht zu erkennen, zumal sie hier dichtgedrängt stehen wie Heringe in der Dose. Die Musik: Shocking Blue, Bachman Turner Overdrive, Don McLean, auch mal Doors, Jimi Hendrix, Golden Earring – Hits aus einer Zeit, als die meisten der Anwesenden noch nicht geboren waren. Und wieder werden Biergläser kaum benötigt. Vier Flaschen für ein Halleluja – und dazu ein „Requiem“. Ja, es war eine Mottoparty, mit der am Freitagabend der viel gepriesene deutsche Beitrag von HansChristian Schmid gefeiert wurde, mit Sandra Hüller , Burghart Klaußner und Imogen Kogge in den Hauptrollen. Im studentische Milieu der tiefen Siebziger fühlte sich Schauspieler Andreas Schmidt („Sommer vorm Balkon“) ebenso wohl wie Sandra Hüllers Mutter Cornelia und ihre Schwester Frederike. ac

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Als im Bohannon in der Dircksenstraße die Feier schon schwer im Gange war, ging im Club Week End am Alex die „Capote“-Party erst los, mit Regisseur Bennett Miller , Oscar-Kandidat Philip Seymour Hoffman und Catherine Keener . Mariella Ahrens hatte vor Clifton Collins jr. gar keine Angst, obwohl der doch im Film einen Mörder spielt, Wim Wenders tanzte wild mit seiner Donata , und sogar Campino von den Toten Hosen war gekommen, immer zu haben für einen eisgekühlten Bommerlunder. ac

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Mit Clint Eastwood und Hilary Swank hatte ja niemand gerechnet. Dass aber auch Julia Jentsch nicht persönlich ins Kreuzberger Umspannwerk kommen würde, um sich ihren „Jupiter“, den Leserpreis der Zeitschrift „Cinema“, abzuholen, enttäuschte dann doch. Wenigstens Christoph Maria Herbst war da. Er wurde für seine Rolle als „Stromberg“ in der Kategorie „Bester TV-Darsteller“ geehrt – und konnte sich einen bissigen Kommentar nicht verkneifen: „Eigentlich wollte ich auch eine Videobotschaft schicken, weil ich nämlich ebenfalls zu den wichtigen Leuten gehöre.“ Warum er dann doch gekommen sei? „Ich konnte mit der blöden Kamera nicht umgehen.“ Auch Benno Fürmann nahm die goldene Skulptur persönlich entgegen – „das ist der bestaussehendste Preis, den es in Deutschland gibt“. Nach der Preisverleihung feierten die Gäste in den Lounges des Umspannwerks weiter, unter anderem dabei: Schauspieler Ralf Bauer , Viva-Moderatorin Collin Fernandes und Schauspieler Christian „Benny Beimer“ Kahrmann. Komiker Oliver Kalkofe zog beim Glas Rotwein ein positives Berlinale-Fazit: „Ich konnte zwar nur ,Requiem‘ und ,Capote‘ sehen, aber die waren großartig.“ Für den Höhepunkt des Abends sorgte Christoph Maria Herbst. Mit einem einzigen Satz: „Ja, es gibt definitiv eine dritte Staffel von Stromberg.“ sle

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Der Notte delle Stelle, der „Nacht der Stars“, verlieh eine Frau ganz besonderen Glanz: Ornella Muti , strahlend schön und zuweilen fast jugendlich schelmig blickend, bezauberte die Gäste der italienischen Filmgala. Der Berliner Gastronom Massimo Manozzi , der vor 13 Jahren die Idee zum Filmpreis „Premio Bacco“ hatte, führte mit umwerfendem Charme und deutsch-italienischer Sprachmelange durch den Abend. Erstmals wurde der Filmpreis vor 350 Gästen im Hotel Marriott am Potsdamer Platz verliehen; möglicherweise der Grund, warum es bei der Platzierung zu einigem Durcheinander kam, das aber von den meisten Gästen mit guter Laune gemeistert wurde. Neben Ornella Muti wurden auch Martina Gedeck und Pierfrancesco Favino geehrt. Martina Gedeck beeindruckte in „Elementarteilchen“, während Favino in „Romanzio Criminale“ zu sehen war. Mit dem Sonderpreis für „deutsch-italienisches Engagement“ ausgezeichnet wurde der Opernstar Lucia Aliberti , der zuvor mit einigen Arien die Gäste zu Beifallsstürmen hinriss. Walter Momper und seine Frau Anne vergnügten sich ebenso wie Unternehmer und Gala-Sponsor Hans Wall und Italiens Botschafter Puri Purini. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm bekannte, dass er einst in Italien seine Frau lieben lernte. Und zum erstenmal seit dem Mauerfall trafen Ex-DDR-Spionagechef Markus Wolf und der ehemalige Verkehrsminister und frühere DDR-Kirchenjurist Manfred Stolpe aufeinander. gn

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Im vergangenen Jahr habe er gemeckert, bekennt Klaus Wowereit frei auf der Verleihung des schwul-lesbischen Filmpreises „Teddy“ am Freitagabend, weil die Gala und die Party wegen einer fehlenden Finanzierung nur als Schmalspurprogramm stattfand. Diesmal, zum Teddy- Jubliäum, ist alles Cinemacope, ganz bunt und rappelvoll. Wowereits Welt ist wieder in Ordnung: „Alles super heute.“ Im E-Werk, der ehemaligen Pilgerstätte des Techno, kommt der schwul-lesbische Film groß raus. Nina Hagen singt, Ingrid Caven applaudiert im Publikum den Preisträgern ebenso heftig wie Moderator Ralph Morgenstern . Kleinere Pannen, die zur Teddy-Verleihung ebenso dazugehören zu scheinen wie der Preis selber, überspielen die Moderatoren Wieland Speck und Margaret von Schiller charmant. Das klappt auch, als Berlinale-Chef Dieter Kosslick in Hut und Mantel angehetzt kommt, weil er schon angekündigt wird, ehe er überhaupt im Saal ist. Sein Vorgänger Moritz de Hadeln schmunzelt und bekommt große Augen, als Kosslick die Gelegenheit nutzt, nicht nur die gesammelten Artigkeiten von Wowereit der letzten Tage zurückzugeben, sondern auch de Hadeln zu danken, für sein Engagement. Anschließend wird gefeiert – bis in die Morgenstunden. Hunderte tanzen zu Disco und Techno. oew

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