Kultur : Vincerò!

Die Idee ist Klaus Wowereit wahrscheinlich am Tag jener legendären Bundesratssitzung zum Einwanderungsgesetz gekommen, morgens, als Gerhard Schröder ihm nach der Begrüßung mit tenoraler Stimme zuraunte: "Wie eiskalt ist dies Händchen." Ja, wird sich der Regierende Bürgermeister gesagt haben, ich werde Puccini treffen. Die Schallplattenfirma Universal hatte nämlich angefragt, ob er nicht bei der Serie "... trifft ..." mitmachen wolle. Prominente dürfen sich dabei aus dem reichhaltigen Archivmaterial der zur Universal zusammengeschlossenen Traditionsfirmen Deutsche Grammophon, Decca und Philips so viele Stücke eines Komponisten aussuchen, bis zwei CDs voll sind. Iris Berben traf so auf Giuseppe Verdi, Benjamin von Stuckrad-Barre auf Brahms und Christoph Schlingensief - natürlich - auf Richard Wagner. Zuletzt hatte Hildegard Knef sich kurz vor ihrem Tod für Gustav Mahler entschieden.

Nun also Wowereit und Puccini: Noch während die Wortgefechte zwischen SPD und CDU im Bundesrat tobten, mag der eifrige Opernbesucher vielleicht schon einmal seine ganz persönliche Auswahl zusammengestellt haben: Donna non vidi mai ("Eine Frau nie sah ich") aus "Manon Lescaut", dann das Zwischenspiel aus "Madame Butterfly", bei dem Cho-Cho-San mit unbeirrbarer Hoffnung auf die wunderbare Lösung all ihrer Probleme wartet. Selbstverständlich die Party-Szene aus "La Bohème" und, mit einem Seufzer, Toscas Eloge an die Kunst, die ihr so lieb und vor allem so teuer ist.

Im Juli soll das Doppelalbum erscheinen. Dann wird Klaus Wowereit sicher auch seinem wahlkämpfenden Kanzler ein Exemplar zukommen lassen - und ihm einen Titel ganz besonders ans Herz legen: Die Arie des Kalaf aus "Turandot" könnte dem Fußballfan Schröder dabei sogar bekannt vorkommen. Damals, bei der WM in Italien, schmetterte Pavarotti aus allen Lautsprechern: Vincerò! ("Ich werde siegen!") Echtes Identifikationsfutter für Erfolgspolitiker. Dass der Held in der Oper fast einen Kopf kürzer gemacht wird, muss Wowereit seinem Vorsitzenden ja nicht verraten.

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