Vladimir Malakhov : Der Ballerino im Garten

Vladimir Malakhov stellt zu seinem Abschied aus Berlin ein Buch vor.

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Der Countdown läuft. Nach zehn Jahren als Intendant und Erster Solist des Staatsballetts verabschiedet sich Vladimir Malakhov nach dieser Spielzeit aus Berlin. „Malakhov & Friends – The Final“, so heißt die letzte Ausgabe der beliebten Ballett-Gala, in der sich der Ballerino noch einmal feiern lässt. Premiere ist am kommenden Dienstag, Höhepunkt wird sicher das Solo „Icarus“ sein, dass Sidi Larbi Cherkaoui für Malakhov kreiert hat. Der gefeierte flämische Choreograf setzt seine eigene Vision des Tanzstars in Szene und greift dabei auf den Mythos von Ikarus zurück, der immer höher fliegt und sich schließlich an der Sonne verbrennt. Am Dienstag kommt auch der Jubelband „Vladimir Malakhov und das Staatsballett Berlin 2004–2014“ heraus.

Anlässlich der Buchpräsentation hat Malakhov am Freitag zu seiner letzten Pressekonferenz geladen – die aber zum Desaster wurde. Nur wenige Journalisten waren erschienen. Dafür hatten sich zahlreiche Mitglieder des Freundeskreises des Staatsballetts im Foyer de la Danse versammelt, um Malakhov zu huldigen. Sie waren wild entschlossen, ihren Liebling gegen mögliche Kritik abzuschirmen. Schon die Frage „Wie blicken Sie, Herr Malakhov, auf die vergangen zehn Jahre zurück?“ brachte die vorwiegend älteren Ballettomanen auf die Palme. Eine so energische wie enthusiastische Dame stimmte sogleich eine Jubelarie auf das Staatsballett an und wollte Kritikern am liebsten das Wort verbieten.

Wer gehofft hatte, dass Malakhov noch einmal Position beziehen, vielleicht auch seinen Zorn äußern würde – immerhin wurde er zum Rücktritt gedrängt –, der wurde enttäuscht. Der polnische Autor Jan Stanislaw Witkiewicz sagte immerhin, dass das Buch in turbulenten Zeiten entstanden sei. Allerdings ist der opulente Bildband vor allem eine Hommage an den Star. Die Interviews mit Malakhov und den Tänzern klammern freilich alle kontroversen Punkte aus. Malakhov selbst zog dann eine lupenrein positive Bilanz: „Gute Tänzer, gutes Repertoire, gute Stimmung.“ Das Staatsballett sei ein Garten mit schönen Blumen – dank seiner umsichtigen Pflege. Und er verwies darauf, dass die Truppe mit einer Auslastung von 86,4 Prozent im letzten Jahr einen Rekord verbuchen konnte.

Malakhov deutete auch an, dass seine Tänzerkarriere bald vorbei sein werde. „Der Körper sagt, es ist genug.“ Bis zum Sommer wird der 45-Jährige noch 17 Mal auftreten. Am 13. und 14. Juni gibt er seine Abschiedsvorstelllungen mit „Caravaggio“ und „Tschaikowsky“. Es ist das Ende einer Ära.

Jan Stanislaw Witkiewicz: "Vladimir Malakhov und das Staatsballett Berlin". Herausgegeben vom Staatsballett Berlin. Verlag Theater der Zeit. 24 Euro



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