Volksbühne : Präsident Jesus Christus

Die Amerika-Nacht in der Volksbühne führt zu einer verkehrten Welt. Am Eingang des kapitalismuskritischen Theaterhauses steht respektgebietend die US-Flagge, durch das Foyer zieht Hamburgerduft.

Philipp Lichterbeck

Und während im Großen Saal die "Maßnahme/Mauser" von Chef Frank Castorf läuft, wird auf der Probebühne zwei Stockwerke darüber das eigentliche Spektakel geboten. "Jeder Furz von Joe Biden hat mehr außenpolitischen Sachverstand als Sarah Palin", sagt Don Jordan.

In den USA gilt der bekennende "Erzkapitalist" und Journalist als Liberaler, in seiner Wahlheimat Deutschland dagegen als konservativer Falke. Zur "Langen Amerika-Nacht" hat man ihn neben die ebenfalls in Deutschland lebende US-Filmerin Elsa Rassbach aufs Podium gesetzt. Zwischen den beiden knallt es sofort. Dabei geht es gar nicht um die Frage: McCain oder Obama? Jordan und Rassbach haben ihre Stimmen für Obama bereits per Post geschickt. Vielmehr bringt die Rassbach ihren Diskussionspartner Jordan mit ihrem Bedauern über die verfrühte Stimmabgabe auf die Palme. Die kaugummikauende Pazifistin glaubt nämlich, dass Obama es in der Außenpolitik genauso mies treiben werde wie die Republikaner. Er habe ja Pakistan schon gedroht. Jordan erwidert ganz realpolitisch, dass auch Jesus Christus als Präsident an der militaristischen US-Außenpolitik nichts ändern würde.

Da staunt das Publikum nicht schlecht. Und ist erst recht berührt, als der physisch auf dem Podium anwesende Dramatiker Lothar Trolle seine einzige Frage stellt: "Sind die Amis blöd?"

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