Kultur : Von der absoluten Vertrautheit des intimen Zusammenspiels

MARTIN WILKENING

Äußerlich wirkt es so, als ob diese vier Musiker überhaupt nichts miteinander zu tun haben, so als hätte man sich gerade gestritten.Nur der Cellist hält mit seinen Augen Kontakt zu den Mitmusikern, die sich seinen Blicken jedoch versagen.Die Metapher vom Streichquartett als einer Konversation unter vier geistreichen Personen, sie wurde hier ganz in die Musik selbst versetzt und löste sich vom theatralischen Vorgang des Musizierens.Denn natürlich spielte das Vermeer-Quartett seinen Beitrag zum Beethoven-Zyklus der Berliner Festwochen so, wie man es von einem amerikanischen Spitzenquartett erwartet: in absoluter intuitiver Vertrautheit des Zusammenspiels (die eben bloß nicht zusätzlich inszeniert wurde), mit absoluter Intonationssicherheit und technischer Perfektion, so daß die schnellen Sätze dieses Programms (der Tarantella-Schluß aus op.18,3, das Presto aus dem "Harfenquartett" und die rasende Fuge aus op.59,3) in bewundernswerter Klarheit und Brillanz erklangen.

Insgesamt herrscht beim Vermeer-Quartett der homogene Schönklang mit dichter Artikulation und Phrasierung und expressiver Ausnutzung des Lagenspiels; dynamische und tempomäßige Extreme wirken stets völlig integriert.Als Quartett besitzen die Vermeers dabei ihren ganz eigenen unverwechselbaren Klang; er ist gekennzeichnet durch die ausdrucksmäßige Dominanz der beiden Außenstimmen mit einer tonlich warm glänzenden ersten Violine und einem in müheloser Leichtigkeit stets äußerst intensiv präsenten Cello, denen gegenüber die Mittelstimmen zwar deutlich zurücktreten, aber eben jenen gesättigten Gesamtklang erzeugen, vor allem durch die wunderbar warm klingende zweite Violine.Das Publikum zeigte sich am Schluß auch über die Zugabe begeistert, die mit dem langsamen Satz aus Beethovens 1.Streichquartett dem Programm noch eine aus ihrer stärkeren musikalischen Spontaneität heraus sehr berührende Fortsetzung anschloß.

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