Kultur : Von hinten aufgezäumt

ELFI KREIS

Wenn Jenny nicht gerade um die Welt reist, lebt sie in Melbourne auf einer Farm und züchtet Pferde.In den letzten zehn Jahren hatte die Australierin zahlreiche Ausstellungen in Europa, Amerika und Japan.Bekannt ist ihr Name spätestens seit 1993, als die konzeptuell arbeitende Künstlerin zur Biennale von Venedig den australischen Pavillion gestaltete.Ihre bei Achim Kubinski gezeigten Arbeiten der Serie "Dark Horse" (10 000 DM) entstanden 1997/98 wärend eines Stipendienaufenthalts in Hanoi.

Watson verwendet für ihre zweiteiligen Bild-Text-Kombinationen stets Bahnen von alltäglichem Kleiderstoff, wie sie ihn vor Ort auf den Märkten findet.Kubinski hat für sie eine ungewöhnliche Hängung gewählt: Er plaziert sie nahe am Boden, über Eck lose an die Wand gepinnt.Dabei wird der Abstand zwischen den Teilen hervorgehoben, ohne die räumliche Distanz zwischen ihnen zu vergrößern.Der Bildteil auf rotem Grund zeigt in der für Watson charakteristischen, pseudonaiven Malerei Pferde und Mädchen, die sich um die Tiere kümmern.Wie schon bei früheren Installationen verschmelzen dabei Privates und Biografisches, frühe Kindheitserlebnisse mit Träumen und Phantasien.Die Bilder kombiniert sie mit Texten.In weißer Farbe auf schwarzen Stoff sind sie in flüchtiger, kindlicher Handschrift wie mit Kreide auf Schultafeln geschrieben.Man erwartet zwangsläufig ein persönliches Statement der Künstlerin, das einen individuellen Kommentar zum Bild liefert.Doch sie macht einem einen Strich durch die Rechnung.

Watson reflektiert in ihren Arbeiten die Konventionen der Bildsprache, der Worte und deren Zuordnung.Sie benutzt sie, um ihre Strukturen kritisch zu beleuchten.Zufällig Gehörtes und Gelesenes, Bruchstücke aus Radiosendungen, Zeitungsberichte, Schnipsel aus Nachrichten sind zu lesen.Inhalte, die, aus ihrem Kontext gerissen, ein weites Feld für Assoziationen eröffnen.Man sucht Gemeinsamkeiten, Hinweise zum Enträtseln der Kombinationen, auf einen möglichen Zusammenhang.Doch der Betrachter scheitert bei dem Versuch, Text und Bild in Einklang zu bringen.

Watson unterläuft die Erwartungshaltung ihres Publikums mehrfach.Sie reduziert das "Kunstfertige" ihrer Malerei auf ein Minimum, verweigert vorgegebene Bezüge und Bedeutung.Die Rezeption von Kunst, der Vorgang der Auseinandersetzung mit Kunst ist der eigentliche Gegenstand ihrer Arbeiten.Der gemeinsame Nenner zwischen den disparaten Teilen und dem Betrachter ist die Künstlerin, die sie zusammenführt und die ihre Zugehörigkeit durch ihre Kunstpraxis behauptet.Anders als die Konzeptkünstler der ersten Generation wie Kosuth glaubt sie nicht mehr an die Kraft des Textes, ein Bild zu ersetzen und gleichrangig an seine Stelle treten zu können.Watson zäumt bei ihrer Kunst das Pferd von hinten auf.Kindlich, naiv und unbekümmert erscheinen ihre Werke.Tatsächlich sind sie intellektuelle Auseinandersetzungen mit deren Voraussetzungen.

Galerie Achim Kubinski, Leibnitzstraße 59, bis 30.August; Dienstag bis Freitag 14-18 Uhr, Sonnabend 10-14 Uhr.

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