Kultur : Von Julian Hanich:

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FILMTIPP DER WOCHE

Welcher Filmemacher kann schon von sich behaupten, der Dalai Lama habe seinen Einfluss geltend gemacht, um ihn als Regisseur zu gewinnen? Werner Herzog , der Berserker des Neuen Deutschen Films, schnürt die Wanderstiefel und macht sich auf nach Indien. Im Zentrum seines Dokumentarfilms Rad der Zeit steht ein buddhistischer Initiationsritus. Doch das eigentliche Thema sind Geduld und Askese tiefen Glaubens. Mönche zeichnen tagelang ein Mandala aus Sand – um es anschließend zu zerstören. Pilger brechen auf zu einem 4000 Kilometer langen Marsch – und werfen sich dabei mehrere Millionen Mal zu Boden. Herzogs Blick ist staunend und bewundernd. Und als westlicher Zuschauer ist man hin und her gerissen zwischen Erleichterung und Beschämung über den Verlust dieser inbrünstigen Spiritualität in unserer entzauberten Welt. Ein Film, der alle Lifestyle-Buddhisten das Fürchten lehrt.

(Hackesche Höfe, Neue Kant Kinos)

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