Kultur : Von Masato Harada

Susanna Nieder

Finanzskandal in Tokio: Ein Sokaiya (ein Erpresser, der Banken zur Korruption verleitet), ist aufgeflogen und belastet die Asahi Chuo Bank. Während dort die Vorstände überlegen, wie man sich gegenseitig wegloben und alles beim Alten lassen kann, beschließt das Finanzministerium, anhand des Vorfalls ein Exempel zu statuieren. Als die Medien deshalb hordenweise anrücken und die Existenz der Bank ins Wanken gerät, werden vier Mitarbeiter aus dem mittleren Management der Bank aufmüpfig.

"Jubaku" (Spellbound, etwa: "In Bann geschlagen") ist ein ungewöhnlicher Film. Im Einzelnen kann man der Handlung nicht recht folgen, dazu ist die Anzahl der Personen zu groß und verwirrend, das Tempo zu schnell. Trotzdem steigert sich zwei Stunden lang die Spannung. Das liegt an der unerwartet poetischen Weise, in der Regisseur Masato Harada sein Sujet angeht. Mehr und mehr wirkt der Film wie großartig choreographiertes Tanztheater; man fühlt sich an Kampfszenen in den Filmen von Akira Kurosawa erinnert. Die Finanzbeamten fallen in der Bank ein wie feindliche Krieger, die Reporter, mit der neuesten Technik bewaffnet, surren wie ein Termitenschwarm. Hier steht die starre alte Garde, dort tänzeln die jüngeren Rebellen, und bald geht es nicht mehr um Einzelheiten eines Finanzskandals, sondern um die archaische Geschichte, wie eine neue Generation die alte ablöst.

Im Mittelpunkt steht Kitami (Koji Yakusho, Hauptdarsteller aus "Shall We Dance"). An ihm wird deutlich, wie sehr der Beruf ein Teil der Identität ist, in seinem Gesicht spiegelt sich, welchen Mut es erfordert, in der japanischen Gesellschaft gegen Höhergestellte aufzustehen. Es sind sein Ehrgefühl, seine Angst, seine Trauer, die den Zuschauer berühren. "Jubaku" mag dasselbe Thema haben wie amerikanische Thriller - visuell, musikalisch, künstlerisch bewegt er sich in einer eigenen Welt.Heute 22.30 Uhr (Cinemaxx 7), morgen 15.30 Uhr (Cine-Star 3)

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