Kultur : VOR - Sotto voce

Auch die Alte Musik hat ihre Messe.Wer heute (11-18 Uhr) oder morgen (10-17 Uhr) ins Konzerthaus kommt, muß sich seinen Weg durch ein Meer von Virginalen, Spinetten, Cembali, Clavichorden, Hammerflügeln, Fortepianos, Hand- und Truhenorgeln bahnen.Gleich rechts vom Eingang ist Winfried George aus Freising mit einem ganzen Gestell verschiedenster Musikinstrumente des ausgehenden Mittelalters zu finden.Wer will, kann sich dort an einer Fidel oder einem Organetto erproben.Eine halbe Treppe hoch ist man schon ein Zeitalter weiter.In den Garderoben-Nischen breiten Geigen- und Traversflöten-Bauer aus England, Holland, Belgien und Deutschland ihre Ware aus.Gleich daneben sind Gamben in allen Größen und Stimmlagen plaziert.Doch Vorsicht! Die Diskant-Gambe wird in Musiker-Kreisen nicht umsonst Riskant-Gambe oder Quietsch-Fiedel gescholten.Die Töne sind schwer auf dem kleinen Streichinstrument zu greifen.Orgeln, von winzigklein bis zimmergroß, von knarzig schnarrend bis süßflötend, sollte man im Musikclub nicht verpassen.Im Beethovensaal sind die eleganten Theorben mit ihren langen Hälsen, Lauten, Barockgitarren und Harfen zu bewundern.Drehleiern, historisches Schlagwerk, die kuriosesten Holzblasinstrumente, Gemshörner, Sackpfeifen, Schalmeien füllen weitere Säle und Foyers.

Das ganze Arsenal historischer Musikinstrumente findet der Besucher hier beim Spezialmarkt der Berliner Tage für Alte Musik ausgebreitet.Über 80 Instrumenten-Bauer aus Europa, Canada und den USA haben sich angemeldet.Und nicht nur ansehen kann man sich die Instrumente, sondern auch ausprobieren, sich vom Hersteller erklären lassen und kaufen.In den prall gefüllten Kisten der Musikalienhändler und Spezialverlage aus Italien, Frankreich und Deutschland läßt sich stundenlang nach seltenen Werken, preiswerten Ausgaben oder Tonträgern stöbern, während sich der Nachwuchs beim Workshop Kinder bauen Instrumente (HfM "Hanns Eisler", 17.10., 14 Uhr; Anmeldung unter Tel.: 44 76 082) oder im Kinderkonzert (Konzerthaus, 17.10., 11 Uhr) vergnügt.Wer schon immer eine Unterrichtsstunde bei Elisabeth Wallfisch (HfM "Hanns Eisler", heute, 10-18 Uhr) oder Marion Verbruggen (HfM "Hanns Eisler", 17.10., 10-18 Uhr) nehmen wollte, hätte sich früher anmelden müssen.Zuschauen aber kann man noch, wie die beiden großen Virtuosinnen Unterricht erteilen.Zu bewundern ist die Kunst der charismatischen Flötistin aus Amsterdam in einem Programm mit Sonaten von Bach und Telemann gemeinsam mit der Berliner Barock Compagney heute abend im Konzerthaus, 19.30 Uhr, die der Barock-Geigerin in einem Bach-Händel-Programm mit ihrem Ensemble Convivium morgen im Konzerthaus um 16.30 Uhr.

Besonders gespannt darf man auf das Oratorium "Der bestrafte Absalom - Assalone punito" sein.Die Musik stammt von Pietro Andrea Ziani, einem venezianischen Opernkomponisten und Zeitgenossen jenes Francesco Cavalli, dessen "Calisto" vor zwei Jahren solche Begeisterung in der Lindenoper ausgelöst hatte.Die Geschichte von Absalom, dem Sohn Davids, der sich gegen seinen eigenen Vater erhebt, um dessen Macht zu gewinnen, in der Schlacht unterliegt, auf der Flucht mit seinem schönen Haar in einem Baum hängen bleibt und von den Häschern abgestochen wird, ist hinreissend.Alan Curtis, ein hervorragender Kenner der settecento-Musik, hat das Oratorium aus den Archiven hervorgezogen und mit einer Traum-Besetzung für eine CD-Produktion einstudiert.Morgen, um 19.30 Uhr kann man es live im Konzerthaus erleben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben