• Vorschau: All That Jazz - Christian Broecking über Töne im Radio, im Netz und im Fernsehen

Kultur : Vorschau: All That Jazz - Christian Broecking über Töne im Radio, im Netz und im Fernsehen

Ed Bradley ist ein erfahrener Radiomann und Musikexperte, für National Public Radio macht er aufwendig produzierte Jazzsendungen. Mittlerweile gibt es unter www.jazzradio.org schon ein beachtliches Kleinarchiv seiner einstündigen Interviewporträts, die jederzeit online angehört werden können. Noch, denn Jazz At Lincoln Center in New York, in dessen Auftrag die Sendungen produziert werden, sieht sich offenbar gezwungen, die Förderung demnächst einzustellen, sollten die Sendeplätze für Jazz beim öffentlich-rechtlichen Radio in den USA weiter reduziert werden. In Berlin haben wir uns an das jazzjournalistische Aus im SFB schnell gewöhnt - fast als hätte man schon länger mit so was gerechnet, so gering ist mittlerweile das Vertrauen in das Berliner Hörfunkangebot in Sachen Jazz. Doch ein Vermissen bleibt, auch wenn schon vor der Neujahrsentscheidung, die Sendung "Jazzplatz" auf Radio Kultur zu canceln, der Etat für Wortbeiträge zum Thema Jazz schon halbherzig gering war.

Mittlerweile ist allerdings gerade auch im WWW zu spüren, dass nichts von Dauer ist. Sie wähnen sich ganz besonderer Seiten sicher? Nun, auch der New Yorker Jazzclub Blue Note stellte monatelang seine Konzertmitschnitte zum kostenlosen Anhören ins Netz - wenn Sie sich den Wecker auf vier Uhr in der Früh gestellt hatten, konnten Sie die Konzerte sogar als Live-Übertragung verfolgen - doch was ganz schnell selbstverständlich wurde, konnte schon beim nächsten Besuch ganz anders sein, denn auch online wird rasant, ohne Vorankündigung und wortlos reduziert.

Die meisten Sendungen von Jazz At Lincoln Center dokumentieren die aktuelle Konzertsaison. Mit Andrew Hill und Kenny Barron werden zwei Pianisten porträtiert, von denen jüngst erst zwei unbedenklich schöne Jazz-CDs erschienen sind. Andrew Hills CD "Dusk" (Palmetto) knüpft an seine unschätzbar einflussreichen Blue Note-Aufnahmen aus den sechziger Jahren an. Im Interview mit Ed Bradley kommt auch sein langjähriger Freund und Kollege, der Vibrafonist Bobby Hutcherson, zu Wort, mit dem er am 15. April im Lincoln Center ein Konzert gab. Kenny Barrons aktuelle CD "Live At Bradley¥s " (Verve) ist eine atemberaubende Live-Aufnahme aus einem der wichtigsten After Hours Spots der New Yorker Jazz Community, der leider vor einigen Jahren einem Feuer zum Opfer fiel und bis heute nicht ersetzt wurde. Die www.jazzradio.org Sendung "Spheres of Influence: Bartz and Barron" bringt auch Ausschnitte eines Konzerts von Kenny Barron mit dem Saxofonisten Gary Bartz, das kürzlich im Lincoln Center stattfand.

Und falls Sie auch das Bild zum Ton sehen wollen: Der Erfinder des New Yorker Loft Jazz, der Saxofonist Sam Rivers, der in den siebziger Jahren, zu Zeiten seines legendären Rivbea-Studios, schon mal als inoffizieller Bürgermeister der Jazzmetropole bezeichnet worden war, wird in einer TV-Dokumentation porträtiert, die Arte am Samstag um 0.25 Uhr sendet.

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