Kultur : Vorschau: All That Jazz

Herbie Hancock ist der flexibelste Super-Star des Jazz, für jedes große Festival ist er zu haben, und wenn die Gage stimmt, schaut er auch bei kleineren Festivitäten vorbei. Hancock wäre gern alles gleichzeitig und exklusiv. Nicht nur Ferrari-Fahrer und einer der wichtigsten Pianisten der Jazzgeschichte. Ob nun "Watermelon Man" oder "Headhunters" - Hancock inszeniert sich gern als Leadership und Event, das ist auch bei seiner aktuellen Tourband zur neuen CD "Future2Future" nicht anders. Mit diesem superben Fusion-Projekt kommt auch der offizielle Miles-Davis-Nachfolger, Wallace Roney, auf Tour. Er übernimmt in der Live-Version die Rolle des Saxophonisten Wayne Shorter, der bei einigen Titeln von Hancocks neuer, an die Keimzelle der Fusion-Revolution erinnernder CD wunderschöne Soli spielt. Obwohl auch Schlagzeuger Jack DeJohnette daran mitwirkte und so die Liste der ehemaligen Miles-Davis-Gefährten verlängert, ist "Future2Future" keine Band im klassischen Sinne. Es ist ein Produzentenprojekt: Die Musiker haben sich im Studio nicht mal gesehen.

Für Hancock besteht der Reiz vor allem darin, das Terrain abstecken zu können, das er nicht betreten will. Er schreibt Soundtracks, macht TV-Shows, Video-Produktionen und Reklamemusik, vor zwei Jahren gründete er sogar eine eigene Plattenfirma, die jetzt auch "Future2Future" (Vertrieb: Sony) herausbringt. "Transparent Music" ist aus Hancocks Sicht mehr als ein weiteres Plattenlabel, und "Future2Future" soll mehr sein als rockorientierte Musik mit viel Elektronik: Es ist das seltsame Spagat zwischen Old Fusion School und DJ Culture. Am Dienstag beginnt der 61-jährige Hancock in Berlin seine große Deutschlandtournee, das Konzert in der Columbiahalle beginnt um 20 Uhr. Im Jazzclub A-Trane gibt er zwar noch eine After-Concert-Party - dies aber leider nur für geladene Gäste.

Drei Konzerte gibt der Saxophonist Jan Garbarek mit dem Hilliard Ensemble heute und morgen im Berliner Dom (Beginn heute um 20 und 22 Uhr 30, morgen um 20 Uhr). Was vor acht Jahren als Experiment mit alter Kirchenmusik begann, ist längst integraler Bestandteil von Garbareks Musik. Von seinem Jazzbackground sieht er sich inzwischen weit, sehr weit entfernt. Seiner Sozialisation folgend drängt es ihn zur Öffnung, nicht Rigidität. So hat Folklore aus den verschiedensten Ecken der Welt sein Verältnis zur Musik neu bestimmt. Für ihn ist es nicht mehr vorstellbar, dass einer sein Leben lang nichts anderes als die Musik Charlie Parkers hören will. Vielmehr sei permanent eine Mixtur verschiedenster Genres und Stile präsent, sagt Garbarek.

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