Kultur : Vorschau: All That Jazz

Der finnische Gitarrist Kalle Kalima mischt seit geraumer Zeit die Berliner Jazz-Szene mit Noise, Free Form und Avant Rock auf und wirkt so an einem Revival der eher seltsamen Art mit. Auf drei CDs ist der 1973 geborene Gitarrist derzeit zu hören: auf "Haw Haw" (J4E) des Berliner Retro-Free-Trios Momentum Impakto mit Saxofonist Daniel Erdmann und John Schröder, Schlagzeug; auf "Play Modes" vom Sibelius Academy Jazz Department (JazzWeaver), wo Kalima studierte, bevor er aus Helsinki an die Hanns Eisler Hochschule nach Berlin kam. Auf seiner erstaunlich guten Trio-CD "HiPPycoNe" (abovoice), bei der auch der französische Gitarrist Marc Ducret Gastauftritte hat, sind ein paar schöne Kompositionen von Kalle Kalima enthalten, der seine Band gern Klima Kalima nennt.

Natürlich hört den Finnen keiner zu, wenn sie vom Klima reden. Wenn Finnen von ihrer Heimat erzählen, dreht sich ohnehin meist alles um Bäume. In Finnland wird man geboren, dann sieht man Wald und dann stirbt man, heißt es. Doch Kalima hält dagegen, seine Komposition "Tursas" handelt sogar von einem alten finnischen Gott, der später Oktopus genannt wurde. Mit der Pseudo-Bigband Fried Fly Qlub tritt er am Donnerstag im b-flat auf (Beginn: 21 Uhr).

Der Pianist Pablo Ziegler wurde in Buenos Aires geboren, wo er später am Konservatorium Komposition und Klavier studierte. Parallel dazu spielte er Solokonzerte mit argentinischer Klassik und Jazz. 1978 wurde er Pianist im Quintett von Astor Piazzolla, das bis 1989 bestand. Danach hatte Ziegler mit seinem eigenen Cuarteto Para El Nuevo Tango großen Erfolg. Es folgten zahlreiche Konzerte und Aufnahmen mit klassischen Orchestern wie mit Jazzmusikern, darunter der Vibrafonist Gary Burton und der Saxofonist Joe Lovano. Am Mittwoch tritt Ziegler mit seinem exzellent besetzten New Tango-Trio mit Quique Sinesi an der Gitarre und Walter Castro am Bandoneon im A-Trane auf (Beginn: 22 Uhr).

Bevor am 8. Juni in Kassel die documenta 11 beginnt, die so genannte Plattform 5 der Weltkunstausstellung, findet in den kommenden Tagen im nigerianischen Lagos die Plattform 4 statt. Das Thema "Unter Belagerung: Vier afrikanische Städte, Freetown, Johannisburg, Lagos, Kinshasa" ist so eindeutig wie der Titel der neuen CD von Femi Kuti, "Fight to win". Es geht um Aids, Korruption, Militärherrschaft und soziales Elend bei dem heute 39-jährigen Sohn des "Black President" Fela Kuti, der in den Fußspuren seines Vaters mit harten Bläsersounds und Beats gegen Hab- und Machtgier anspielt. In seinem Stopp-Aids-Song gesteht er, niemandem den Spaß verderben zu wollen, und empfiehlt deshalb: "You better cover your bamboo". In "Alkebu-Land" ruft er dazu auf, jene Namen abzulegen, die die Kolonialisten den afrikanischen Menschen und Nationen einst gegeben haben, und sich stattdessen auf die "echten" Namen zu besinnen. Diese sehr traditionalistische Haltung erklärt sich vor dem Hintergrund einer politischen Kultur, die ehemalige Armeeführer zu neuen Machthabern aufbaut und sie als Democrazy feiert. Der Sänger und Saxofonist hat in Lagos einen politischen Afrobeat entwickelt, mit dem er dem Glauben daran Stoff geben will, dass Musik eine Bedeutung haben kann, die über den Spaß an geilen Grooves weit hinaus geht. Femi Kuti spielt am Mittwoch im ColumbiaFritz um 20 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben