Kultur : Wagner satt

Was der neue Intendant an der Deutschen Oper plant.

Die längste Zeit am Stück sprach Dorothea Hartmann, neue stellvertretende Chefdramaturgin der Deutschen Oper und künstlerische Leiterin der neuen „kleinen“ Spielstätte, der Tischlerei: über Auftragswerke, Babykonzerte und die freie Szene. Und die zitierfähigste Formulierung wählte Generalmusikdirektor Donald Runnicles: „Wovon ernährt sich dieses Haus?“, fragte der Schotte und gab die Antwort(en) für die Saison 2012/13 gleich selbst: vom „großen Repertoire“ (also vom Jubilar Wagner), von Prokofjew, Britten, Verdi, von Helmut Lachenmann als composer in residence und gesteigerten symphonischen Aktivitäten.

So recht aber wollte der Funke nicht überspringen. Jahrespressekonferenz des größten Berliner Opernhauses, eine neue Ära wird eingeläutet – und das höchste aller Aufbruchsgefühle sind „Vielschichtigkeit“ und „Pragmatismus“? Er sei kein Freund von Spielzeit-Motti, betont Intendant Dietmar Schwarz, der Geschäftsführende Direktor Thomas Fehrle gibt die aktuellen Auslastungszahlen zu Protokoll (gut 80 Prozent), und Jörg Königsdorf in seiner Funktion als neuer Chefdramaturg sagt auch ein paar Sätze. Weniger Programmatik geht eigentlich nicht.

Vielleicht ist den Neuen ein bisschen der Wind aus den Segeln genommen worden: Bis 2014 werden drei größere Bauphasen an der Obermaschinerie immer wieder den Spielbetrieb lahmlegen, außerdem sträubt sich der Denkmalschutz gegen Stephan Braunfels’ Pläne für die Umgestaltung der Tischlerei (weswegen sich deren Eröffnung auf Ende November verschiebt). Vor dem Eisernen Vorhang im Großen Haus wird am 15.9. mit Lachenmanns „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ begonnen (Regie David Hermann, Musikalische Leitung Lothar Zagrosek). Am 21.10. folgt „Parsifal“ (Runnicles dirigiert, Philipp Stölzl – auch an der Staatsoper ein gern gesehener Wagner-Gast – inszeniert). Mit Prokofjews „Liebe zu den drei Orangen“ (9.12.) erfüllt sich ein Wunsch des Regisseurs Robert Carsen, Brittens „Peter Grimes“ ist eine Übernahme von der Londoner ENO (25.1.), DJane Alexandra Holtsch darf den „Ring“ bearbeiten (10.3.), und Jan Bosse setzt Verdis „Rigoletto“ in Szene (21.4.). Konzertant gibt es „Lukrezia Borgia“ mit Edita Gruberova und Verdis „Attila“ mit Erwin Schrott. Und der Dialog mit der Politik über die anhaltende finanzielle Schlechterstellung des Hauses im Vergleich zur Staatsoper sei „rege“. Le.

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