Kultur : Waldgeister

Amerikanischer Horror: „Hide and Seek“

Julian Hanich

Dieses Gesicht! Eindringlich und leer zugleich. Gerahmt von strähnigem Haar. Bleich. Mit tiefblauen Augen. Magisch. Es gehört der Schauspielerin Dakota Fanning. Sie ist elf. Jung genug, um in diesem Film den großen Robert De Niro alt aussehen zu lassen – und das, obwohl der sich in guter Form präsentiert.

Emily zieht mit ihrem Vater (De Niro), einem Psychologen, in ein einsames Landhaus. Der Umzug soll Ablenkung bringen. Seitdem Emily die Mutter tot in einer blutigen Badewanne fand, sind Schloss und Riegel vorgeschoben vor dem Mädchenseelenkerker. In ihrer traumatisierten Imagination trifft Emily immer wieder auf einen Mann, der ihr das Blut in den Adern gefrieren lässt. Das Landhaus ist: the horror, the horror...

In den neunziger Jahren befand sich der US-Horrorfilm, abgesehen von Ausnahmen wie „Scream“, in kreativer Leichenstarre. Das Angstgeschäft besorgte der Psychothriller. Serienkiller hatten dem Slasher die Show gestohlen. Längst hat sich der Trend umgekehrt: „Hide and Seek" von John Polson ist der jüngste Sendbote einer Armee von Horrorfilmen, die derzeit die deutschen Kinos belagert. Zwei Drittel lang lockt der Film den Zuschauer gekonnt, wenn auch nicht sonderlich inspiriert in den dunklen Wald des Horrors. Schock und Spannung ködern routiniert das Publikum, das bereitwillig der Quelle der Angstlust entgegenschreitet. Das letzte Drittel ist dagegen so subtil wie ein Vorschlaghammer. Wer’s mag!

In 17 Berliner Kinozentren

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