Kultur : Walkabouts: Reisebegleiter - Im Kesselhaus

H. P. Daniels

Die Walkabouts sind Chris (Eckman) & Carla (Torgerson) mit Band. Er ein langer Dünner mit Günternetzerweltmeisterfrisur. Sie eine hübsche Zierliche im hellblauen T-Shirt. "Wir machen eine kleine Reise", sagt sie: "The Train Leaves At Eight". So heißt auch das exquisite neue Album. Eine Reise durch Nord- und Südeuropa. Eine Liedersammlung aus Spanien, Frankreich, Italien, Portugal, Slowenien, Deutschland, Schweden, Norwegen. Erstaunlich, wie es der Gruppe aus Seattle gelingt, verschiedenste Songs unterschiedlichster Komponisten zu einer Einheit zu verschmelzen. Und sie wie amerikanische Roots-Musik klingen zu lassen. Zum Beginn des Konzerts im Kesselhaus: Mikis Theodorakis. Wer würde glauben, dass dieses Instrumental nicht von einem Songwriter aus einem amerikanischen Wüstenkaff stammt? Die fünf Mitmusikern sind mehr Orchester als Band: Bassist, Schlagzeugerin, Akkordeonspielerin, Geigerin, Organist. Alles fügt sich ineinander, zu berückend dichten und farbigen Klanggebilden. "Wake me up before I sleep" von der belgischen Gruppe Deus gibt Torgerson mit ihrer warmen, weichen Stimme ihre eigene, neue Deutung. Im Wechsel dazu Chris Eckman mit abgrundtiefem Leonard-Cohen-Timbre: "Disamistade" vom Italiener Fabrizio De Andre. Ein Wispern, Tuscheln und Zischeln. Sie tauschen Gesangsparts, wechseln Instrumente: akustisch, elektrisch. Piano, Melodica. Spaghettiwesterngitarre. Alles aus einem Guss. Angenehme Stimmung, ruhig und elegisch. Doch zwischendurch rockt es auch mal heftig, und Chris und Carla liefern sich hypnotische Gitarrenduelle. Das Publikum ist entzückt. Carla lacht: "Thank you, goodbye", nach anderthalb Stunden. Traumhaft.

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