Kultur : Warenverkehr

Satellit 1: Die Berliner Liste im Postgüterbahnhof

Michaela Nolte

Größer, schicker, übersichtlicher präsentiert man sich im vierten Jahr an neuem Ort. Die Berliner Liste bespielt den ehemaligen Postgüterbahnhof am Gleisdreieck, wo sich sonst die Fachwelt der Mode und des Lifestyles einfindet. Die Ausstellungsfläche hat sich mit 3000 Quadratmetern gegenüber dem alten Standort, dem einstigen Vitra-Design-Museum in Prenzlauer Berg, fast verdoppelt, und in den reizvollen Hallen des denkmalgeschützten Areals möchte man Abschied nehmen vom rauen Charme der ersten Jahre. „Das Umspannwerk war als Immobilie einfach zu romantisch abgerockt und zu klein“, sagt Wolfram Völcker, der die Berliner Liste 2004 mitbegründete und, seit der Abspaltung jener Kollegen, die im Folgejahr die Preview aus der Taufe gehoben haben, der alleinige Leiter ist.

Angesichts der neuen Räume wurde die Teilnehmerzahl zwar nicht gleich verdoppelt, aber mit 59 Galerien um ein knappes Drittel aufgestockt. Die Qualität habe sich dank 200 eingegangener Bewerbungen gesteigert und das Profil sei sogar internationaler als das des Art Forums, so Völckers. Galerien aus elf Ländern, darunter USA und Mexiko, reisen für die Liste an. Allerdings stehen dieser durchaus erfreulichen Tendenz auf dem Art Forum 25 Nationen gegenüber. Auch der „Schwerpunkt Osteuropa“ erscheint mit einer lettischen und drei polnischen Galerien etwas hoch gehängt. Dafür hält das Programm aus Warschau mit dem Multimediakünstler Karol Radziszewski eine spannende Entdeckung bereit.

„Wir verstehen uns als Experimentierfeld, wo die Galerien Sachen ausprobieren können und wo man neue Kunst entdecken kann“, sagt Völckers. Mit dem Anspruch der Entdecker-Messe scheint er es bisweilen aber doch nicht allzu genau zu nehmen: Der Hamburger Projektraum White Trash Contemporary präsentiert Eva und Adele, und auch bei Andreas Baumgartl halten sich die Entdeckerfreuden in Grenzen: mit Fotografien von Helmut Newton und Bert Sterns „The Last Sitting“ mit Marilyn Monroe gibt der Münchener Galerist, der auch schon mal mit Fotos von Gunter Sachs von sich reden macht, seinen Berliner Einstand.

Mit solchen Positionen wird der experimentelle Sinn und Charakter einer Off-Messe fragwürdig. Auch als Exportschlager scheint das Listen-Konzept nicht zu funktionieren. Der Versuch, parallel zur Art Cologne die „Liste Köln“ zu etablieren, geriet zum Desaster: in die Rheinhallen fanden insgesamt 3500 Besucher. Das immerhin dürfte die Berliner Liste am Eröffnungsabend spielend schaffen. Michaela Nolte

Luckenwalder Straße 4/6; Eröffnung: 29. Sept., 18 Uhr. Messe: 30. Sept. - 2. Okt. 13-21 Uhr, 3. Okt. 13-19 Uhr.

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