Kultur : Was kommt nach den Taliban?: Bereit zum Einsatz

Malte Lehming / Robert von Rimscha

Diplomatie ist das eine - der Krieg das andere. Der Druck auf die Bundesregierung zur militärischen Unterstützung der USA wächst. Dies liegt am Fortgang der Angriffe, aber auch an dem Umstand, dass die Bundesrepublik der einzige Alliierte ist, der sich noch nicht festgelegt hat. Unionspolitiker sprechen bereits von einem empörenden Eiertanz der Schröder-Mannschaft. "Die uneingeschränkte Solidarität muss sich endlich an einem konkreten Angebot festmachen", fordert der CSU-Verteidigungsexperte Christian Schmidt.

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Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan In seiner Rede vor beiden Häusern des Kongresses hatte sich George W. Bush ausdrücklich und namentlich bei fünf Ländern für die Unterstützung der USA in ihrem Kampf gegen den Terror bedankt. Das waren Großbritannien, Australien, Kanada, Frankreich und Deutschland. Von den ersten vier Ländern ist inzwischen bekannt, worin ihr militärischer Beitrag besteht.

Speerspitze London

London, der engste Verbündete der USA, stellt den Vereinigten Staaten seinen Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean zur Verfügung. Insgesamt 4200 britische Soldaten, darunter Seeleute und Logistiker, sind in die Militäroperation mit einbezogen. An einem möglichen Bodenkrieg will Großbritannien mit rund 600 Royal Marines teilnehmen. Als sicher darf gelten, dass das Land auch Eliteeinheiten vom "Special Air Service" und "Special Boat Service" im Einsatz hat. Informationen über solche Aktionen werden allerdings geheim gehalten.

Australien hat angekündigt, 1550 Seeleute, Piloten und Soldaten in die Kriegsregion zu entsenden. Darin eingeschlossen sind einige Spezialeinheiten, die sich an einem Bodenkrieg beteiligen würden. Das Land will außerdem vier Kampfjets, zwei Auftank- und zwei Aufklärungsflugzeuge in Richtung Afghanistan schicken.

Kanada hat 2000 Soldaten entsandt. Sie sind überwiegend mit Transport und Nachschub befasst und greifen nicht direkt in die Kämpfe ein. Zusätzlich jedoch hat das Land beschlossen, ein Kontingent der Spezialeinheit "Task Force Two" für Bodenkämpfe zur Verfügung zu stellen.

Frankreich wiederum beteiligt sich bereits mit Mirage-Kampfjets zur Luftbeobachtung und mit Aufklärungsflugzeugen an der US-Militäraktion. Eine genaue Zahl ist nicht bekannt. Seit dem 4. Oktober haben die Franzosen den Amerikanern auch zwei Kriegsschiffe zur Verfügung gestellt. Nach Aussage von Premierminister Lionel Jospin wird im Moment intensiv mit den Amerikanern über weitere französische Beiträge gesprochen.

Deutsches Angebot gefordert

Über den deutschen Beitrag wird seit Wochen in Florida verhandelt. Dort sitzen die Militärplaner aus Washington und Berlin zusammen. Dem Vernehmen nach sollen Geheimdienstvertreter hinzustoßen. Als mögliche deutsche Beiträge gelten weiter das Kommando Spezialkräfte (KSK), eventuell zur Befreiung der Shelter-Now-Gefangenen, Aufklärer, Spürpanzer und ABC-Spezialisten.

"Die Bundesregierung vermischt seit Wochen die grundsätzliche Frage der deutschen Beteiligung mit der Geheimnistuerei über KSK-Aktionen", rügt Schmidt. Letztere könnten selbstverständlich nicht vorab angekündigt werden. Hier reiche gegebenenfalls eine diskrete Vorab-Information der Fraktionsspitzen und eine nachträgliche Befassung des Bundestages. Doch Bundeskanzler Schröder verstecke sich hinter den USA. Quer durch die Union und die FDP gibt es eine Vielzahl von Stimmen, die zur Festlegung mahnen: Ohne deutsches Angebot werde nichts aus der viel beschworenen "Koalition der Willigen".

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